Licht am Ende des Tunnels

Covid-19 hat die gesamte Weltwirtschaft in eine Schockstarre versetzt und zu enormen wirtschaftlichen Verwerfungen geführt. Die Politik hat im Zuge dessen riesige Programme aufgelegt, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Aktuelle Zahlen zeigen, dass es langsam, aber sicher wieder aufwärts geht. Damit kehrt auch in der Druckindustrie verhaltener Optimismus zurück.

Lockdown

Der Lockdown hat die grafische Branche hart getroffen. Die Umsatzrückgänge waren enorm – die Ausnahme bildete der Verpackungsbereich, der selbst im Lockdown auf Hochtouren lief. Wie in jeder Krise wurde auch diesmal bei den Werbeausgaben eine Vollbremsung eingeleitet. Print musste bei den «Werbeausgaben» weltweit ein Minus von rund 18 Prozent (Quelle: Media Outlook) hinnehmen – mehr als jede andere Werbegattung. Das hat sich natürlich direkt auf die Druckindustrie ausgewirkt und zu massiven Umsatzeinbrüchen geführt. Im Extremfall waren es in einzelnen Segmenten 80 Prozent und mehr.

Juli: Trendwende in Deutschland und Grossbritannien
Der absolute Tiefpunkt der wirtschaftlichen Talfahrt wurde in Europa im April und Mai verzeichnet. Seitdem hat sich das Geschäftsklima aufgehellt, was sich unter anderem auch an den Absatzmengen von Papier ablesen lässt. Der Auftragseingang ging zum Beispiel im Juli in Deutschland und Grossbritannien tendenziell nach oben – und das sowohl für gestrichene als auch ungestrichene Papiere. Die gesamteuropäischen Zahlen für gestrichene Papiere für den Juli 2020 zeigen laut Eurograph ein Minus von 29 Prozent und bei ungestrichenen sind es 16 Prozent. Im Mai lag das Minus bei gestrichenen Papieren noch bei weit über 50 Prozent. Der Bereich Designpapier hängt dieser Entwicklung noch hinterher und die Papierindustrie ist somit noch weit von dem Vor-Corona-Niveau entfernt. Wann das wieder erreicht wird, kann aktuell niemand seriös abschätzen.

Intergraf, der Verband der europäischen Druckindustrie, prognostiziert für 2020 einen Umsatzrückgang von rund 10 Prozent. Der Verpackungsbereich soll mit einem Minus von 3,2 Prozent relativ glimpflich davonkommen. Anders sieht es im Akzidenzbereich aus, hier soll am Ende des Jahres ein Minus von satten 17,4 Prozent stehen. Der europäische Buchmarkt kommt wieder in Schwung – aktuell liegt das Minus nur noch bei rund 7 Prozent – das ist wesentlich besser als die meisten Branchenkenner prognostiziert haben. Der US-amerikanischen Buchmarkt zeigt sich besonders krisenfest, was unter anderem auf den hohen Anteil des Online-Handels zurückzuführen ist. Über Amazon werden in den USA bereits rund 50 Prozent aller Bücher verkauft und auch der Trend zum Self-Publishing wurde von der Corona-Krise nicht betroffen, sondern hat eher zugenommen. Über all die Genres hinweg berichtet die NPD BookScan  für den Juli 2020 von einem Plus von 3,6 Prozent für gedruckte Bücher im Vergleich zum Vorjahr. Auch der Verkauf von Kindermagazinen und Comics hat wieder angezogen und liegt über den Vormonaten. Neugierige und wissbegierige werden mit speziellen Themenhefte durch die Krise begleitet. Gerade die Wissensvermittlung an den Nachwuchs ist den Eltern anscheinend ein wichtiges Anliegen.

Immerhin geht es aufwärts
Finanzexperten rechnen eher mit einer wirtschaftlichen Erholung, die sich in Anlehnung an das Nike-Logo «Swoosh» grafisch mit einem kleinen flachverlaufenden Haken darstellen lässt. Da ist zwar nicht der rasche Aufschwung in Form eines «V», den wir uns alle herbeigesehnt haben – aber immerhin es geht aufwärts. Das bestätigen auch die Zahlen des Geschäftsklimaindex vom deutschen Bundesverband Druck und Medien – der hat sich im Juli verbessert und das zum dritten Mal in Folge.

Im Juli bewerteten die vom ifo Institut befragten Druck- und Medienunternehmen sowohl ihre aktuelle als auch ihre erwartete Geschäftslage besser als im Juni – der Index legte um 11,2 Prozent zu. Angesichts der relevanten Indikatoren, welche die Konjunkturentwicklung widerspiegeln, und der Unsicherheiten, sollte der aktuelle Wert allerdings mit Vorsicht interpretiert werden. Trotzdem blicken die Druck- und Medienunternehmen hinsichtlich der Geschäftslage für die nächsten sechs Monate optimistischer in die Zukunft als noch im Juni.

Auf Sicht fahren, um kurzfristig zu reagieren
Ob damit bereits die Erholungsphase eingeleitet wurde, bleibt angesichts der konjunkturellen Risikofaktoren fraglich. Der weitere Verlauf hängt sicherlich primär von der Entwicklung der Corona-Infektionszahlen ab. Darüber hinaus wird die wirtschaftliche Erholung in den einzelnen europäischen Ländern ganz unterschiedlich verlaufen und uns sicher noch das gesamte nächste Jahr beschäftigen, bis eine Impfung zur Verfügung steht. Deshalb gilt nach wie vor die Devise «auf Sicht zu fahren», um kurzfristig reagieren und sich flexibel an die Situation anpassen zu können.

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