Heidelberg: Hundsdörfer will das Ruder herumreißen

Rainer Hundsdörfer, CEO der Heidelberger Druckmaschinen AG, hielt am Onlineprint Symposium 2020 in München die Keynote. Im Zuge dessen, ging er auch kurz auf die aktuelle wirtschaftliche Situation des Unternehmens ein, die in den letzten Tagen unter anderem vom deutschen Handelsblatt ordentlich zerpflückt wurde. Nach seinem Vortrag stand er der Graphischen Revue Rede und Antwort.

Hundsdörfer

Natürlich ließ es sich Hundsdörfer nicht nehmen in seiner Keynote darauf hinzuweisen, dass Heidelberg mit einem weltweiten Marktanteil von 42 Prozent bei Bogenoffsetmaschinen marktrelevant sei und man sich darüber hinaus auch als Technologieführer sehe. Wobei das Angebot schon lange über den reinen Maschinenbau hinausgehe und heute die konsequente Digitalisierung und Automatisierung aller Produktionsprozesse einschließe. Genau deshalb und angesichts neuer Vertriebsformen, wie etwa dem Subskriptionsmodell, glaube er auch an die Zukunft von Heidelberg und ist sich sicher die anstehenden Herausforderungen zu meistern. Optimismus zu verbreiten, gehört wohl zum Geschäft eines Vorstandsvorsitzenden, nur die Restrukturierung von Heidelberg dauert ja schon eine gefühlte Ewigkeit und Hundsdörfer ist seit November 2016 Vorsitzender des Vorstands.

Man zieht am gleichen Strang
Auf die Frage, was denn inhaltlich an dem Artikel im „Handelsblatt“ falsch war, betonte Hundsdörfer, dass er nur die Vergangenheit betrachte. Die dort angesprochen Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Vorstand und Aufsichtsrat seien ausgeräumt. Man ziehe am gleichen Strang und arbeite an einem Maßnahmenpaket, das Mitte April der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Damit will man auch das verlorengegangene Vertrauen der Aktionäre zurückgewinnen,. Das wird aber ohne Finanzspritze nicht gehen.

Zu den bereits angekündigten Maßnahmen wollte und konnte Hundsdörfer nicht ins Detail gehen. Aber wenn man zwischen den Zeilen des offiziellen Text  liest, kann man da schon einiges herauslesen. Die angekündigte „Neuaufstellung des internationalen Produktionsnetzwerks zur deutlichen Absenkung der Kostenbasis“ lässt darauf schließen, dass es zu einer teilweisen Produktionsverlagerung kommen wird. Bei der „Fokussierung des Produktportfolios“ wird die eine oder andere Produktreihe zum Opfer fallen – welche, ist im Moment reine Spekulation. Mit ziemlicher Sicherheit wird sich Heidelberg auch vertrieblich neu aufstellen – was das für die DACH-Region bedeutet, wird sich zeigen.

Die Frage, ob der Vorstand auch in Zukunft nur mit zwei Personen besetzt sein wird, beantwortete Hundsdörfer mit einem eindeutigen „Ja“. Direkt unter dem Vorstand wurde jetzt eine neue Ebene eingezogen, die viel näher am operativen Geschäft dran sei. Die Strategie sei klar, jetzt gehe es um die Umsetzung. Allerdings ist das auch ein Signal an die Belegschaft, um den anstehenden Personalabbau, intern zu argumentieren.

Um die Belastungen des Subskriptionsgeschäftes aus der Bilanz zu bekommen, sei man auf der Suche nach einem Finanzierungspartner. Aktuell hat Heidelberg an die 60 Verträge für das Subskirptionsmodell in den Büchern stehen. Zu schaffen macht Heidelberg aber auch der schleppende Verkauf seiner Inkjet-Ambitionen in Form der Primefire 106. Die Feldtests haben deutlich länger gedauert, um die Inkjet-Maschine im B1-Format zur Marktreife zu führen. Jetzt sei man aber endlich soweit, versicherte Hundsdörfer.

Zentrale herstellerübergreifende Plattform
Neben der bereits angekündigten neuen Speedmaster-Generation und der damit verbunden Module zur Effizienz- und Produktivitätssteigerung ließ der Vorstandsvorsitzende auch mit der Ankündigung zur Schaffung einer offenen und herstellerübergreifenden Plattform aufhorchen. Die Vision sei es, eine zentrale Plattform für ein automatisiertes Lieferanten- und Kundenmanagement zu schaffen. Sie soll alle an der Wertschöpfungskette beteiligten Partner ein- und verbinden. Erste Ansätze werde man bereits auf der drupa 2020 vorstellen. Na dann, ab nach Düsseldorf!

www.drupa.de

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