Bei Elanders zieht der Verpackungsdruck in die Logistik ein

Elanders hat im deutschen Herrenberg das erste „integrated Packaging Innovation Center“, kurz iPIC eröffnet. Das Unternehmen verspricht, den gesamten Prozess – vom Abholen des Produkts beim Hersteller über das Bedrucken und Verpacken bis hin zur Platzierung im Händlerregal – anzubieten.

„Ich versuche meinen Mitarbeitern immer wieder aufs Neue zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, die bestehende Wertschöpfungskette zu erweitern“, erläutert Peter Sommer. Nur mit dem klassischen Verpackungsdruck könne man als Unternehmen auf Dauer nicht überleben. Auch in diesem Segment befinden sich die Preise weiter auf Talfahrt. Als logische Anknüpfungspunkte, um Wachstum zu erzielen, macht man bei der Elanders Group das Fulfillment und die Logistik aus.
Bereits vor vier Jahren hat man sich aus der Rolle des Stand-alone-Druckers verabschiedet und sich durch die Übernahme von Mentor Media (Asien, 2014) und LGI (Europa, 2016) stark im Bereich des Fulfillments und der Logistik engagiert. „Wir haben jetzt das iPIC „integrated Packaging Innovation Center“ in Herrenberg ins Leben gerufen, mit dem wir End-to-End-Supply-Chain-Lösungen gemeinsam mit unseren Kunden umsetzen. Die Resonanz des Marktes auf unser Angebot ist ausgesprochen positiv“, so Sommer. Mit dem Kauf von LGI sei man mit dem Verpackungsdruck in die Logistik eingezogen und versuche hier die vorhandenen Synergien im Sinne der Kunden zu nutzen.

Auf der Homepage der Elanders-Gruppe steht der Slogan: „We supply the world.“ Was auf den ersten Blick vielleicht etwas dick aufgetragen erscheint, stellt sich beim Blick auf die nackten Zahlen als Faktum heraus. Der Konzern erwirtschaftet mit 7.200 Mitarbeitern rund 900 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Auf den Bereich Print & Packaging entfielen 2016 nur 23 Prozent des Umsatzes – 2013 waren es noch 100 Prozent.

Erstes Investment in den Offsetdruck

Im Bereich der Süßwaren werden bei Elanders Deutschland schon seit längerer Zeit derartige Konzepte im Ansatz umgesetzt. Im Digitaldruck erstellte Kleinserien von Verpackungen werden vor Ort am Standort in Waiblingen mit Schokolade oder Keksen bestückt und direkt an die Endkunden versendet. Unter anderem Ritter Sport, aber auch Lindt nutzen dieses Angebot. In Herrenberg hat man dieses Konzept jetzt auf ein industrielles Niveau angehoben und dazu auch seit Langem wieder in Deutschland in den Offsetdruck investiert. Insgesamt wurden 12 Millionen Euro für zwei Heidelberg XL-106, eine mit 5 und eine mit 7 Druckwerken sowie jeweils einem Dispersionslackwerk, in die Hand genommen und parallel dazu die Stanzkapazitäten verdoppelt.

Der Anstoß für das Projekt war eher ein Zufall, wie Peter Sommer schildert: „Ein Kunde, der Wasserfilter in China produzieren lässt, berichtete uns, dass sein Lieferant immer mehr Wasserfilter und auch die dazu passenden Verpackungen produzieren lasse und die Differenz dann auf eigene Rechnung verkaufte. Das ist heute die Realität in China.“ Aber es gebe noch weitere Gründe, warum Unternehmen Teile der Supply-Chain wieder nach Europa verlagern. Durch den langen Transport gehe Reaktionszeit verloren, um kurzfristig auf Veränderungen des Marktes und im Handel zu reagieren.

Gesamte Supply-Chain im Blick

Mit dem iPIC verzahnt Elanders Druck, Fulfillment und Logistik so stark miteinander, dass sie zu einem fixen Bestandteil der Supply-Chain werden. Der Kunde vergibt an das iPIC keinen einzelnen Druck-, sondern einen Komplettauftrag. Im Grund genommen agiere man wie Flextronics. In Europa kümmert sich das Unternehmen beispielsweise um die Produktion und Logistik der Nespresso-Maschinen. Dabei müssen die Teile eingekauft, zusammengebaut und die Bedienungsanleitung und die Verpackung eingekauft, das Ganze zu verpacken und beim Retailer ins Regal zu stellen. „So kann man sich das in etwa vorstellen, nur dass bei iPIC der Verpackungsdruck direkt in das Fulfillment und die Logistik integriert wurde.“

Die Vorteile für den Kunden liegen für Peter Sommer klar auf der Hand: „Wir bieten dem Kunden ein echtes One-Stop-Shopping. Er muss sich nicht mehr darum kümmern, wo er einzelne Dienstleistungen am günstigsten einkauft, sondern erhält von uns ein komplettes Paket.“ Allerdings setze dies eine andere Art des Verkaufens voraus. Der klassische Drucksachenverkäufer sei hier fehl am Platz, da werden eher betriebswirtschaftliche Berater benötigt, die die gesamte Supply-Chain im Visier haben.

Outsourcing-Partner

Auf die Frage, welche Branche von diesem Konzept besonders profitieren könnte, wollte sich Peter Sommer nicht festlegen. Grundsätzlich meinte er: „Überall dort, wo viele kleinteilige Komponenten verpackt, in ein Display platziert und ausgeliefert werden müssen.“ Für viele Unternehmen gehöre das Fulfillment und die Logistik nicht zur Kernkompetenz und daher suchen sie nach Outsourcing-Partnern.

Interessant ist auch ein Blick auf die Kostenverteilung. Wenn das Produkt fertigt ist, entfallen nach Schätzungen des Vorstandes rund 25 Prozent auf die Verpackung und Bedienungsanleitung und der Rest auf das Fulfillment sowie die Logistik. Da man in diesem Szenario immer die gesamte Supply-Chain betrachtet, kommen einzelnen Positionen nicht so stark unter Preisdruck und Kunden erkennen den Mehrwert. Je nachdem, wie groß die Auflagen der Bedienungsanleitung sind, können diese aus dem Offsetdruckbetrieb in Ungarn oder bei digitaldruckrelevanten Inhalten aus dem Werk in Waiblingen aus dem Inkjetdruck beigeschossen werden. Für BMW hat Elanders bereits bewiesen, dass man Bedienungsanleitungen im großen Stil in einer Just-in-Sequence-Belieferung punktgenau an das Fertigungsband liefern kann.

Bedrucken von Wellpappe

Mit dem Markteintritt von iPIC ist Peter Sommer sehr zufrieden und er will bereits in den nächsten zwei Jahren den Umsatz auf 36 Millionen Euro verdoppeln. „Mit der iPIC haben wir den ersten Schritt gesetzt, den Druck stärker in die Supply-Chain zu integrieren und für Kunden neue Synergiepotenziale aufzuzeigen. Wenn man hier noch einen Schritt weiter denkt, kommt man relativ schnell zur Wellpappe. Hier tun sich im Zusammenspiel mit der Logistik und dem Digitaldruck noch sehr spannende Betätigungsfelder für uns auf.“

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