US-Administration: Sind Serifen Ausdruck von Anstand?

Das US-Außenministerium hat der serifenlosen Schrift Calibri den Kampf angesagt. Stattdessen schreibt es die Times als Standard für offizielle Dokumente vor. Damit sind Typografie und Schriftschnitte Teil des republikanischen Kulturkampfes geworden.

Calibri

US-Außenminister Marco Rubio hat die serifenlose Schriftart Calibri, die 2023 unter seinem Vorgänger Antony Blinken wegen besserer Lesbarkeit eingeführt wurde, durch die Serifenschrift Times New Roman er setzt, um (wörtlich) »Anstand und Professionalität« in offiziellen Dokumenten wieder herzustellen und sich von als ›woke‹ empfundenen Praktiken zu distanzieren. Inklusion ist in den USA also unter der Trump-Administration unanständig und unprofessionell.

Blinken hatte die Schrift auf Empfehlungen des Büros für Diversität und Inklusion eingeführt (das Büro wurde auf Anweisung von Präsident Donald Trump Anfang 2025 aufgelöst), da die serifenlose Schrift als besser lesbar für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen gilt. Die Schriftart Calibri wurde von dem niederländischen Schriftdesigner Lucas de Groot entworfen und von Microsoft veröffentlicht, wo sie seit 2006 als System- und Standard-Schriftart in Office-Anwendungen bekannt wurde und die Nachfolge der schlechter lesbaren Arial antrat.

Die Entscheidung der Trump-Regierung spiegelt die ideologische Debatte in den USA wider. Dass jetzt Typografie und Schriftschnitte in den Kulturkampf eingespannt werden, ist zwar haarsträubend, aber nicht viel grotesker als viele andere Entscheidungen der US-Regierung. Es führt aber auch zu der uralten Frage: Lassen sich Grotesk-Schriften (ohne Serifen) oder Antiqua-Fonts (mit Serifen) besser lesen?

Auch nach zahlreichen Studien und Untersuchungen gibt es keine pauschale Antwort, denn die bessere Lesbarkeit hängt sehr stark vom Medium ab. Antiqua-Schriften (mit Serifen) sind oft besser für lange gedruckte Texte wie Bücher, Magazine oder Zeitungen, da Serifen dem Auge eine Führung bieten. Dagegen sind Grotesk-Schriften (serifenlos) besser für Bildschirme geeignet, da sie auch auf kleinen Displays klarer erscheinen. Sie werden aber auch für Texte in Magazinen eingesetzt, weil sie Modernität und Klarheit vermitteln. Generelle Empfehlungen lassen sich aus dieser Faustregel jedoch nicht ableiten, zumal eine weitere Studie zu dem Ergebnis kommt, dass bestimmte Antiqua- und Groteskschriften die Lesegeschwindigkeit vor allem bei den über 35-Jährigen um mehr als 30 % steigerten.

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