UNESCO würdigt das Buchbinden als immaterielles Kulturerbe

Die Anerkennung drückt Wertschätzung für jenes Handwerk aus, das „alle Bibliotheken dieser Welt erschuf“. Mehr als 60 Lehrlinge in Österreich tragen das Berufswissen in die Zukunft

Buchbinden

Bücher sind das Kulturgut schlechthin – sie konservieren das Wissen längst vergangener Epochen. Allerdings hätte der geistige Gehalt vieler Zeitzeugen ohne handwerkliches Geschick wohl niemals die Jahrhunderte überdauert. „Das Handwerk des Buchbindens erschuf alle Bibliotheken dieser Welt. Sonst hätten wir nur Lose-Blatt-Sammlungen“, sagt Christine Weiner, Vorsitzende der Berufsgruppe der Buchbinder in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), und kündigt an: „Wir machen weiter.“ Und das künftig sogar ganz offiziell als immaterielles Kulturerbe: die Österreichische UNESCO-Kommission beschloss am 23. September 2020, das Buchbinder-Handwerk in die Liste des immateriellen Kulturerbes in Österreich aufzunehmen.

Fast 100 Betriebe
Um als immaterielles UNESCO-Kulturerbe anerkannt zu werden, muss das Wissen von Generation zu Generation tradiert werden, einer fortwährenden Neugestaltung unterliegen und für die Berufsgruppe identitätsstiftend wirken: All das ist bei den Buchbinderinnen und Buchbindern mehr als erfüllt. In Österreich gibt es 97 aktive Buchbinderunternehmen, wovon ein guter Teil die handwerkliche Herstellung und Veredelung von Büchern pflegt. Überdies werden 62 Lehrlinge zu Buchbinderinnen und Buchbindern ausgebildet.

Viele spezielle Werkzeuge haben sich erhalten – von Scheren, Falzbeinen, Heftnadeln, Ahlen und Fileten über Vergolde-Werkzeuge wie den Achat-Glättzahn oder Punzen bis hin zu Bienenwachs, Kleister und Leim, deren besondere Bedeutung ein alter Witz begleitet: Fragt ein Buchbinder den anderen: ‚Glaubst du auch an ein Weiterkleben nach dem Tod?‘

Im Wandel der Zeiten
Die Anfänge des Buches finden sich bei den Griechen, wo zusammengehängte Wachstafeln aus Holz in Verwendung waren. Erste frühe Formen des Bindens waren dann mit Kettenstichen verbundene und in Lederumschläge gefasste Pergamentblätter.

Im Mittelalter wurde die Herstellung und kunstvolle Einfassung handgeschriebener Bücher zur exklusiven Aufgabe von Mönchen. Erst mit dem Buchdruck entstand im 15. Jahrhundert die Ausweitung zum selbständigen Gewerbe des Buchbindens. In Wien geht die Zunft auf das Gründungsjahr 1548 zurück. Ab dem 18. Jahrhundert hielt nach und nach die maschinelle Technologie Einzug.

Gegenwärtig überwiegen in der Geschäftstätigkeit handwerklich herstellender Betriebe zum Großteil folgende Aufträge: Bücher für kleinere Auflagen und spezielle Anlässe, nach Sonderwünschen angefertigte Bände und die Restaurierung von alten Büchern – eine Tätigkeit, bei der bis heute die Handarbeit überwiegt und das Wissen über die verschiedensten Einbandarten ein unersetzlicher Teil der Arbeit ist.

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