P-Stacker lässt seine Muskeln spielen

Für die Ablage an einer Falzmaschine in der Industrie­buchbinderei Koller & Kunesch sorgt neuerdings ein Robotersystem, genau genommen der Stahlfolder P-Stacker von Heidelberg. Was der Einsatz eines Robotersystems bringt, haben wir uns vor Ort in der Industriebuchbinderei Koller & Kunesch in Lamprechtshausen bei Salzburg angesehen.

P-Stacker

»Die Veränderungen im gesamten wirtschaftlichen Umfeld, die durch die Coronakrise noch zusätzlich angeheizt wurden, zwingen uns zur Neuausrichtung«, fasst der Geschäftsführer Günter Kunesch die Rahmenbedingungen für das Unternehmen zusammen. Aufgrund der bereits eingeleiteten Maßnahmen sei man relativ gut durch die Krise gekommen, wobei sich jedoch zwei gegenläufige Trends manifestiert haben: Einerseits gehen die Auflagen noch weiter zurück, andererseits steigt die Nachfrage nach einer noch hochwertigeren Ausstattung, was sich unter anderem an der exklusiven Papierauswahl, den edlen Bindetechniken und den aufwendigen Veredelungen festmachen lässt. ­»Darauf haben wir reagiert und sind jetzt mit einer Buchstraße von Müller Martini in die Hardcover-Produktion eingestiegen.« Der Buchmarkt und gerade das Hardcover-Segment seien trotz aller Verschiebungen im Medienkonsum sehr stabil. Darüber hinaus verfügen heute viele Druckereien über einen eigenen Klebebinder, weshalb dieser Schritt eine logische Konsequenz war.

Fokussierung auf Buchbinderei
Vor seinem Einstieg in das Unternehmen war Günter Kunesch lange Zeit bei einer Rollenoffsetdruckerei im Salzburger Raum tätig und hat in seiner Funktion als Abteilungsleiter unter anderem die Zusammenarbeit mit Bogenoffsetdruckereien koordiniert und sich so einen guten Überblick über die Druckereilandschaft verschafft. Früher ist Koller & Kunesch sowohl als Druckerei wie auch als Buchdruckerei am Markt aktiv gewesen, was aufgrund der oftmals angespannten Wettbewerbssituation nicht immer ganz einfach gewesen sei, wie es der Geschäftsführer auf den Punkt bringt. Deshalb habe man sich dazu entschieden, den Druckbereich aufzugeben und sich als reine Industriebuchbinderei auf dem Markt zu positionieren. »Nur mit einer Halbbogendruckmaschine wären wir auf die Dauer nicht konkurrenzfähig gewesen.«

Die Strategie ist aufgegangen – vor allem Kunden aus West­österreich, Bayern und Baden-Württemberg schätzen die Qualität, die Flexibilität und die Termintreue der Buchbinderei. »Im süddeutschen Raum gibt es viele kleinere und mittlere Druckereien, die unsere Flexibilität gerne in Anspruch nehmen und auf unsere Kompetenz vertrauen.« Einen Hemmschuh in der weiteren Unternehmensentwicklung sieht Günter Kunesch allerdings in dem akuten Facharbeitermangel, der schon seit vielen Jahren in der gesamten Branche vorherrsche. Deshalb habe für ihn bei jeder Investition die Automatisierung die höchste Priorität, um so das Leistungspotenzial voll und ganz auszuschöpfen. »Die Automatisierung in der Buchbinderei ist zwar schwieriger als in anderen Produktionsbereichen, aber es gibt auch hier interessante Ansätze. Einer davon ist der Stahlfolder P-Stacker, bei dem Robotertechnologie das Abstapeln an der Falzmaschine übernimmt.«

Brutto ist nicht netto!
2017 hat Koller & Kunesch die Kombifalzmaschine Stahlfolder TH 82-P von Heidelberg installiert. Sie ist speziell auf die Anforderungen einer industriellen Signaturenproduktion abgestimmt und ist mit dem PFX-Palettenanleger ausgestattet. Damit ist es möglich, die Falzbogen in einem überlappenden Bogenstrom der Maschine zuzuführen und eine maximale Leistung von 18.000 Signaturen pro Stunde zu erzielen. Durch das geschuppte Falzprinzip lässt sich der Ausstoß um bis zu 50 Prozent steigern. »Die Falzmaschine läuft zwar mit 18.000 Bogen pro Stunde, doch durch die laufenden Palettenwechsel oder das auftragsbezogene Umrüsten liegt die Nettoleistung pro Stunde bei etwa 10.000 Signaturen«, fasst Kunesch seine Erfahrungen zusammen und verweist bei dieser Gelegenheit auch darauf, dass die Mitarbeiter*innen an der Auslage der Falzmaschine am Tag schon einige Tonnen Papier bewegen. »Eine monotone und auf die Dauer auch nicht wirklich gesunde Arbeit.« In der Praxis führt diese Belastung dazu, dass entweder die Maschinengeschwindigkeit bewusst reduziert wird, logistische Unterbrechungen und Stillstandszeiten als Pause genutzt werden oder eine weitere Arbeitskraft benötigt wird.

Entlastung führt zu höherer Qualität und Produktivität
Der Stahlfolder P-Stacker setzt genau dort an und stellt für die Mitarbeiter*innen eine deutliche Entlastung im Berufsalltag dar. Gleichzeitig wird der Arbeitsplatz auch aufgewertet, was in Zeiten des Fachkräftemangels sicherlich nicht falsch ist. Hier unterstützt der Stahlfolder P-Stacker, ein robuster 6-Achs-Industrieroboter, der mittels ausgeklügelter Greifertechnologie die Signaturstapel schonend und sicher greift und absetzt. »Heidelberg hat uns in die Entwicklungsphase des P-Stackers früh eingebunden. Die anschließende Installation war für uns goldrichtig.« Was der Geschäftsführer auch mit Zahlen untermauern kann. Seit der Installation des P-Stackers ist die Leistung an der Falzmaschine um rund 25 Prozent gestiegen und liegt jetzt bei 12.500 Signaturen. Wobei durchaus noch etwas Luft nach oben bestehe.

Operator freigespielt
Ein weiterer Vorteil ist, dass der Operator freigespielt wurde und sich jetzt parallel auch um eine kleinere Falzmaschine, den ­Stahlfolder TH 56, kümmert. Seit dem Einsatz des Roboters ­laufen die Falzmaschinen auch wesentlich stabiler, was in letzter Konsequenz zu einer Qualitätssteigerung beigetragen hat. »In der Summe sind es viele Kleinigkeiten, die dazu beitragen, dass sich eine solche Investition rechnet. Aus unserer Sicht war das absolut die richtige Entscheidung.«

Das Thema Automatisierung sei natürlich ein Dauerbrenner, und deshalb kann sich Günter Kunesch gut vorstellen, dass weitere Roboter in die Produktion einziehen werden. Eine Stoßrichtung wäre etwa der Sammelhefter. Die Ideen werden dem umtriebigen Geschäftsführer mit Sicherheit nicht ausgehen.

www.koller-kunesch.at

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