Österreichische Papierindustrie erzielt Exportquote von 88 Prozent

Mit 1,3 Milliarden Euro Investitionen in fünf Jahren bekennt sich die österreichische Papier- und Zellstoffindustrie klar zum Standort Österreich. Hohe Energiekosten und unzureichende Ausgleichsmechanismen verschärfen jedoch den Wettbewerbsdruck im europäischen Binnenmarkt. Die Industriestrategie der Bundesregierung setzt den richtigen Rahmen, aber es braucht konkrete Maßnahmen.

Papier- und Zellstoffindustrie
V.l.: Martin Zahlbruckner, Präsident Austropapier, Sigrid Eckhardt, Geschäftsführerin Austropapier, Harald Ganster, Vorstandsmitglied von Austropapier, Ronald Scheucher, Industrieökonom bei Mainland Economic Consultants.

Mit einem Branchenumsatz von 4,4 Milliarden Euro und einer Exportquote von 88 Prozent ist die Papier- und Zellstoffindustrie ein zentraler Bestandteil der heimischen Industrie. Rund 440.000 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt an der Wertschöpfungskette Forst-Holz-Papier, womit jeder elfte Arbeitsplatz in Österreich mit diesem Sektor verbunden ist. In den vergangenen fünf Jahren investierte die Branche rund 1,3 Milliarden Euro in den heimischen Standort, allein 2025 flossen rund 190 Millionen Euro in Modernisierung, Dekarbonisierung und Versorgungssicherheit.

»Die österreichische Papierindustrie ist eine Vorzeigeindustrie – exportstark, innovativ und stark verzahnt mit der heimischen Forst- und Holzindustrie, der Weiterverarbeitung und dem Recyclingsektor. Unsere Industrie ist bereit, weiterhin hochqualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen und ihre Transformation hin zu einer klimaneutralen Branche fortzusetzen. Jetzt ist die Politik gefordert, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen sicherzustellen, unnötige und überzogene Regulierungen abzubauen und Berichtspflichten auf das notwendige Maß zu reduzieren«, betont Austropapier-Präsident Martin Zahlbruckner. 

Wie stark sich die Branche strategisch weiterentwickelt hat, zeigen auch die Produktionszahlen: 2025 entfielen 2,666 Millionen Tonnen auf Verpackungspapiere, ein Plus von rund 37 Prozent gegenüber 2015, und 1,164 Millionen Tonnen auf grafische Papiere, ein Minus von rund 58 Prozent gegenüber 2015. Damit bildet das Produktportfolio die veränderten Marktbedingungen und internationalen Entwicklungen im Medienkonsum klar ab.

Teurer Energiestandorten

Für die Papier- und Zellstoffindustrie haben sich die Wettbewerbsnachteile bei den Energiekosten im europäischen Vergleich weiter verschärft. Heimische Unternehmen sind strukturell schlechter gestellt als ihre Mitbewerber in europäischen Nachbarstaaten, was Investitionen und Beschäftigung zunehmend unter Druck setzt. Besonders deutlich zeigt sich der Handlungsbedarf beim Standortabsicherungsgesetz: Die geplanten Entlastungen bleiben klar hinter jenem Niveau zurück, das vergleichbare Industrien in anderen EU-Staaten erhalten.

»Österreichische Werke stehen im direkten Vergleich mit Standorten, die bei den Energiekosten deutlich bessere Ausgangsbedingungen haben. Die Strompreiskompensation wird hierzulande nun zwar umgesetzt, bleibt aber klar hinter dem Niveau von Deutschland. Österreichische Betriebe zahlen das 2,3-Fache an Energiekosten im Vergleich zu deutschen Standorten. Energiekostenunterschiede dieser Größenordnung entscheiden darüber, wo investiert und wo Beschäftigung gesichert wird«, betont Harald Ganster, Vorstandsmitglied von Austropapier. 

Industriestrategie bereits umgesetzt 

Mit der Industriestrategie 2035 hat die Bundesregierung aus der Sicht der Papierindustrie die richtigen Schwerpunkte benannt: Energie, Kreislaufwirtschaft, Bioökonomie und Transformation sowie ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort. Die Papier- und Zellstoffindustrie setzt viele dieser Ziele bereits heute um und nimmt eine Vorreiterrolle in der Bioökonomie ein. Rund 70 Prozent erneuerbare Energieträger, die Versorgung von mehr als 110.000 Haushalten mit Strom und Fernwärme sowie eine Altpapiereinsatzquote von 88 Prozent machen deutlich, welchen Beitrag die Branche schon jetzt leistet. Die Branche konnte die fossilen CO2-Emissionen in den letzten fünf Jahren um rund eine Drittel auf 1 Mio. Jahrestonnen reduzieren. Gleichzeitig treibt sie die Entwicklung nachhaltiger Verpackungs- und Spezialpapierlösungen voran und erschließt mit Zellstoff und Lignin neue biobasierte Anwendungen mit weiterem Potenzial für Wertschöpfung und Innovation.

»Die Papier- und Zellstoffindustrie ist ein industriepolitisches Multitalent und hat große Bedeutung für die Leistungsfähigkeit unserer Volkswirtschaft. Im Zusammenspiel mit vor- und nachgelagerten Industrien stärkt sie die industrielle Basis Österreichs, eröffnet neue Perspektiven für eine biobasierte High-Tech-Industrie und schafft in zentralen Feldern sehr große Wachstumspotenziale«, hält Ronald Scheucher, Industrieökonom bei Mainland Economic Consultants, fest.

»Österreich hat eine Industriestrategie – das ist richtig und wichtig. Die Bundesregierung hat damit die Chance und das Mandat, Österreich wirtschaftspolitisch wieder auf Kurs zu bringen. Entscheidend ist nun eine rasche Umsetzung. Wettbewerbsfähige Energiepreise sind hier aus Sicht der Papierindustrie genauso wichtig wie die Verlängerung der freien Zuteilung von CO₂-Zertifikaten im ETS, um genau jene Unternehmen zu unterstützen, die bereits in Transformation und Dekarbonisierung investiert haben«, sagt Austropapier-Geschäftsführerin Sigrid Eckhardt.

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