Ein Druckprodukt, das vor kriminellen Drogenattacken im Nachtleben schützt? Klingt nach einem Actionfilm aus Hollywood, ist aber Realität in unserer Gesellschaft: Der Einsatz von narkotisierenden K.O.-Tropfen, um Menschen, allen voran oft junge Frauen, sexuell zu missbrauchen oder auszurauben. Aktuell wendet sich daher etwa die Stadt Wien, mit einem Einzugsbereich von rund zwei Millionen Menschen, mit einer Kampagne an die Öffentlichkeit.
Immer wieder sorgen Fälle von K.O.-Tropfen in Clubs, Bars oder auf Festivals für Schlagzeilen. Die Dunkelziffer ist hoch, die Aufklärungsrate gering. Ein österreichisches Start-up will dem nun mit einer einfachen, aber wirkungsvollen Lösung begegnen: Night Saver, ein neu entwickelter Schnelltest in Visitenkartenformat, erkennt innerhalb von Sekunden bereits geringe Mengen der gängigsten K.O.-Tropfen GHB und GBL in Getränken.
»Nachdem GBL von keinem anderen handelsüblichen präventiven Schnelltest nachgewiesen werden kann, obwohl es laut Experten sehr oft für derartige Attacken eingesetzt wird, war es uns ganz besonders wichtig, auch diese Droge mit unseren Testkarten erfassen zu können«, sagt Johannes Michael Franner, Mitgründer von Night Saver.
Diskret, schnell und jederzeit einsatzbereit
Die Night Saver Karte passt in jede Geldbörse oder Handyhülle und kann unterwegs unauffällig verwendet werden. Ein Tropfen des verdächtigen Getränks auf einem der bis zu sechs Testfelder pro Karte genügt – innerhalb weniger Sekunden verfärbt sich das gelborange Testfeld in dunkles blaugrün bis violett, sollte eine der oben genannten Substanzen enthalten sein.
Drucktechnische Umsetzung
Erste Versuche am deutschen Druckmarkt scheiterten. Bei weiterer Recherche stieß man dann auf die, für Spezialeffektdrucke bekannte, Druckerei Simsa in Wien. Gemeinsam mit dem Chemiker von Nightsaver wurden umfangreiche Testserien durchgeführt, um die Reaktivsubstanzen auf Papier druckbar zu machen und zeitgleich eine funktionsfähige Anwendung zu erzielen. Ein besonderes Augenmerk musste hierbei auf den Ausschluss möglicher Fehlreaktionen gelegt werden: Weder Druckchemie noch Papiersorte noch bestimmte, unbelastete Getränke dürfen in Kombination zu einem falschen Ausschlag eines Testfelds führen.
»Ungewohnt skurril war es schon, als Gregor, der Chemiker, bei uns im Farblabor beim ersten Termin ganz selbstverständlich die Rauschgifte ausgepackt hat und in diverse Longdrinks gemischt hat zum Testen der gedruckten Reaktivfelder. Ich glaub, trotz des langen Tages, hat jeder von uns doppelt und dreifach aufgepasst, nicht gedankenverloren einen Schluck von wo zu nehmen«, schmunzelt Florian Simsa.
Zukünftige Entwicklung
Detektiert werden momentan die zwei mit Abstand am häufigsten verwendeten K.O.-Tropfen, die rund ¾ aller Fälle ausmachen. Es handelt sich hierbei um vergleichsweise leicht zugängliche Substanzen, die über das Internet, etwa als Chemieprodukte für den Werkstattbedarf getarnt, importiert werden können. Das verbleibende Viertel, an deren Detektion Nightsaver aktuell weiterforscht, sind im Wesentlichen bekannte Psychopharmaka, die gesetzlich streng reglementiert sind. An diese heranzukommen bedarf zumeist schon eines nachvollziehbaren, kriminellen Aufwands, während die oben angeführte Internetbestellung ohne Nachweisbarkeit einer bösen Absicht funktioniert. Mit Nightsaver wird somit der großen Masse an »Amateuren«, die sich vor allem im Bereich der sexualisierten Gewalt finden, bereits ein Riegel vorgeschoben.
Mehr als ein Produkt – ein Statement
Night Saver versteht sich nicht nur als Anbieter eines Tools, sondern als Teil einer Bewegung gegen sexualisierte Gewalt und Übergriffe im Nachtleben. »Wir wollen das Bewusstsein für dieses Thema schärfen. Unser Produkt ist ein Anfang – aber es braucht auch gesellschaftlichen Wandel und Verantwortungsbewusstsein«, so der Mitgründer Michael Stermann.
Bezugsquellen und Absatzkanäle
Aktuell ist das Produkt im Online-Shop von Nightsaver zu kaufen. Parallel dazu gibt es Kooperationsgespräche mit Getränkeherstellern, Festivals sowie Veranstaltungsorten. Vor kurzem wurden, im Zuge dessen, bereits die ersten 5.200 Testkits mit dem Branding eines Unternehmenskunden ausgeliefert.