Mittelmaß reicht nicht aus

Mitte März fand der Figma Maker Collective Event in Zürich statt. Figma nutzt solche Veranstaltungen ganz gezielt, um mit der Designszene auf Tuchfühlung zu gehen.

Figma Maker Collective Event

»Das Eventformat ist für uns sehr wichtig, um im direkten Kontakt mit unseren Anwendern auszuloten, was sie gerade bewegt und was in ihrer Welt passiert. Gleichzeitig testen die Kunden unsere neuen Werkzeuge und einzelne Teams präsentieren im Anschluss ihre Ergebnisse «, beschrieb der Chief Product Officer (CPO) von Figma, Yuhki Yamashita, in einem Gespräch mit der Graphischen Revue. Das Event widmete sich aktuellen Entwicklungen in Designprozessen, digitaler Zusammenarbeit und technologischen Trends. Im Mittelpunkt standen jedoch Themen wie AI-gestützte Design-Workflows, neue Formen internationaler Zusammenarbeit sowie Fragen der Produktstrategie und des Leaderships in Technologieunternehmen. In diesem Zusammenhang versicherte Yuhki Yamashita, dass es nicht ausreiche, mit KI schnell Ergebnisse zu liefern. Design müsse durchdacht sein, um ein kreatives Erlebnis zu schaffen. »AI liefert den Durchschnitt von schon Bestehendem und das reicht nicht aus, um als Marke langfristig zu bestehen.«

AI liefere eine solide Basis, auf der man aufbauen könne. Aber für ein durchdachtes und stringentes Design sei Kreativität gefragt und dafür braucht es auch in Zukunft Designer*innen, die die Richtung vorgeben und darauf achten, dass sie auch eingehalten wird. »AI beschleunigt die Prozesse ungemein, aber erst menschliche Kreativität macht Design einzigartig«, betont Yuhki Yamashita und verwies an dieser Stelle darauf, dass AI etwas fehle. »Bei einem guten Design spürt man, dass jemand jeden einzelnen Aspekt durchdacht hat. Und genau darum geht es, dass Designer diesen Touch in ihre Arbeiten einfließen lassen.« Und das gelinge AI heute und auch in Zukunft nicht!

KI-Agenten auf dem Vormarsch

Mit »Figma Make« verfügt Figma bereits über einen KI-Agenten, der Ideen in Codes umsetzt und damit die Gestaltung einer Website, einer App oder eines Prototyps steuert. Das sei heute bereits gelebte Praxis in Verbindung mit der Figma-Plattform, die etwa unterschiedliche Designvarianten erstellt. Der CPO sieht in dem Tool de facto einen Teamleiter, der über die Zeit immer mehr und mehr Aufgaben übernehmen werde. Trotz alldem werde das menschliche Urteilsvermögen noch wichtiger werden, ist sich Yuhki Yamashita sicher und gibt zu bedenken: »Wie definiert man die Aufgabe für die Agenten und vor allem wer bewertet, ob eine Arbeit gut oder schlecht ist?« Die Rolle von Designer*innen, so wie alle Berufsfelder, wird sich radikal verändern. »Designer werden nicht detailverliebt einzelne Pixel bearbeiten, sondern komplexe Projekte umsetzen – und das in einer bisher nicht gekannten Geschwindigkeit.«

Eine Gefahr sieht Yuhki Yamashita allerdings in der isolierten Zusammenarbeit mit KI-Agenten, in der man kein Feedback und Anregungen aus der Community erhalte. Dies sei eine der Stärken der Figma-Plattform, denn alle arbeiten an derselben Datei, sodass Ideen geteilt, weiterentwickelt und bewährte Arbeitsweisen ausgetauscht werden können. Die Teamarbeit sei der Schlüssel, um den Tunnelblick zu umgehen. Auf die Frage, ob AI auch ein gewisses Maß an Regulierung brauche, kam von Yuhki Yamashita ein klares Ja, mit der Einschränkung, dass dies in einer globalisierten Welt schwierig sein werde.

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