Landa: From A Vision to reality

Landa hat Anfang Juni mit Arik Gordon einen neuen CEO bekommen. Wo Landa aktuell steht und was er sich als CEO vorgenommen hat, darüber haben wir mit Arik Gordon im virtuellen Raum gesprochen. Interview von Knud Wassermann

Arik Gordon

Graphische Revue: Könnten Sie uns ihren bisherigen Werdegang schildern und was reizt Sie an Ihrer neuen Aufgabe bei Landa?
Arik Gordon: Mein erster Job war bei dem EBV-Systemhersteller Scitex. Dort startete ich 1992 im Bereich Forschung und Entwicklung. Nach einem einjährigen Postgraduate in Fontainebleau hat mir Scitex eine Position als Marketingleiter für Europa angeboten. Dort habe ich zahlreiche Entwicklungen in der grafischen Industrie hautnah miterlebt. Dazu gehörten etwa die Einführung von Computer-to-Plate oder Workflow-Lösungen. Nach fünf Jahren habe ich dann einen Branchenwechsel vollzogen, bin mit meiner Familie wieder zurück nach Israel gegangen und bin bei Orbotech eingestiegen.

Dort war ich über 18 Jahre tätig, in den letzten beiden Jahren als Vize-Präsident für Strategie und Wachstum. Orbotech stellt optische Inspektionssysteme her, die bei der Produktion und Bestückung von Leiterplatten zum Einsatz kommen. Mit seiner eigenen Soft- und Hardware-Entwicklung und den Anforderungen hinsichtlich Service und Support ist das Unternehmen in seiner Ausrichtung durchaus mit Landa vergleichbar. Ich wollte jedoch wieder zurück ins operative Geschäft und dann hat sich die Möglichkeit aufgetan, bei Landa als CEO einzusteigen. Benny erläuterte mir die Vision und die dahinterstehende Technologie und dann war mir klar, dass Landa die grafische Industrie nachhaltig verändern wird. Diese Veränderung als CEO mitzugestalten, ist eine spannende Aufgabe.

Was haben Sie sich als CEO vorgenommen?
Die Vision und Strategie von Landa sind klar und daran hat sich auch über all die Jahre nichts verändert. Nur ein ganz kleiner Teil des Druckvolumens, Experten sprechen von etwa 3 Prozent, wird heute im Digitaldruck produziert. Die Limitierungen ergeben sich aus den aktuell verfügbaren Lösungen für den Digitaldruck. Unsere Produkte und Lösungen werden dazu beitragen, die Durchdringung des Digitaldrucks am Markt voranzutreiben. Das war unser Anspruch von Anfang an und daran hat sich bis heute nichts verändert.

Wenn wir uns den Lebenszyklus von Landa ansehen, so haben wir uns in den ersten acht Jahren hauptsächlich auf die Entwicklung konzentriert. Die ersten Betatests haben wir vor zwei Jahren gestartet und 2019 wurden die ersten Maschinen ins Feld ausgeliefert. Den Fokus von der Forschung und Entwicklung hin zu einem kundenorientierten Unternehmen zu ändern, war und ist eine außerordentliche Herausforderung. Das sind genau die Momente, an denen einen die Realität einholt und man mit einer Vielzahl von neuen Themen konfrontiert ist. Dazu gehört etwa die Skalierung der Produktion oder der Aufbau eines internationalen Service- und Support-Netzwerkes. Die Umsetzung in allen Details wird uns sicherlich noch die nächsten Jahre intensiv beschäftigen.

Wie erleben Sie die Corona-Krise und wie hat sie sich auf das Geschäft von Landa ausgewirkt?
Intern hatte uns die Corona-Krise vor allem in der Anfangszeit, im März und April, sehr zugesetzt. Wir konnten nicht in der gewohnten Art und Weise reisen, sodass wir Installationen nicht abschließen konnten. Zurzeit hängen einfach noch viele Funktionen wie etwa die Installation und der Service und Support an unserem Headquarter in Israel. Manche Kunden haben uns aus Sicherheitsgründen den Eintritt in die Produktion verwehrt. Anfang Juni wurden die Reisebeschränkungen teilweise aufgehoben, sodass wir die Installationen fortsetzen und die Kunden im laufenden Betrieb wieder unterstützen können. Was gerade beim Hochfahren der Maschinen enorm wichtig ist. Wir werden, wenn alles gut geht, vier bis fünf neue Maschinen noch bis Ende des Jahres installieren.

Wenn wir uns die Kapazitätsauslastung bei unseren Kunden ansehen, haben wir im März einen enormen Rückgang verbuchen müssen. Anfang Mai ist es langsam wieder nach oben gegangen. Jetzt haben wir das Vor-Corona-Niveau erreicht und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir im Oktober bereits darüber liegen werden.

Die Corona-Krise hat die Druckindustrie hart getroffen, insbesondere den Akzidenzbereich. Glauben Sie an eine Erholung oder wird die Krise den negativen Trend der letzten Jahre noch zusätzlich beschleunigen?
Kurzfristig war der Akzidenzbereich stärker betroffen als die Verpackung, die sogar in einzelnen Segmenten wie etwa in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie ein Wachstum verzeichnen konnte. Im Akzidenzbereich war der Einbruch enorm und die Erholung geht langsamer vonstatten. Die Akzidenzdrucker unter unseren Anwendern sind wieder auf dem Vor-Corona-Niveau. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass die Nachfrage nach kleineren Auflagen während der Corona-Krise gestiegen ist.

Mittelfristig sind wir davon überzeugt, dass das Volumen wieder zurückkommen wird. Allerdings wird in Zukunft eine Just-in-Time-Produktion vorausgesetzt und gleichermaßen wird der Individualisierungsgrad steigen. All das ist nur mithilfe einer durchgängigen digitalen Produktion machbar.

In den letzten Jahren ist es um Landa eher ruhig ge-worden. Wo steht Landa derzeit in der Entwicklung und Marktreife mit seinen Produkten?
Wir haben das Potenzial der Technologie ja schon mehrfach demonstriert. Der Betatest ist 18 Monate gelaufen, was für eine so komplexe Technologie normal ist. In dieser Zeit haben wir nicht nur die Maschine optimiert, sondern auch Themen wie Workflow- und Color-Management weiterentwickelt.

Wir sind aktuell mit zwei Modellen – der S10 und der S10-P als Wendemaschine – am Markt präsent. Zwölf Maschinen sind bereits installiert und im Vollbetrieb. Zwei werden gerade bei Kunden platziert und drei weitere werden bis Ende des Jahres noch folgen. Wir befinden uns jetzt mittendrin, Bennys Vision in die Realität umzusetzen.

Die Mehrzahl der Installationen läuft problemlos und bei der einen oder anderen müssen wir noch nachbessern. Einige der Kunden haben bereits signalisiert, dass sie in den kommenden Jahren eine zweite oder dritte Maschine von uns ordern wollen. Deshalb rechnen wir in den nächsten Jahren bei Landa mit einem signifikanten Wachstum.

Landa hat sein ursprünglich breit aufgestelltes Produktportfolio auf das B1-Format reduziert. Hat man sich dadurch nicht in seinen Chancen limitiert?
Wir mussten uns in der Entwicklung fokussieren. Ich bin davon überzeugt, dass die Entscheidung für das B1-Format absolut richtig war. Die Landa-Technologie hat aufgrund ihrer Qualität und Flexibilität das Potenzial, Volumen aus dem Offset- in den Digitaldruck umzuschichten. Wenn man sich mit dem Offset messen will, dann kommt man an dem B1-Format nicht vorbei. Das gilt sowohl für den Akzidenz- als auch den Faltschachteldruck.

Darüber hinaus können die Anwender ihre bestehende technische Infrastruktur in der Endfertigung weiter nutzen. Der nächste große Schritt für uns wird die Einführung der Rollenmaschine sein und für die Zukunft sind wir in alle Richtungen offen. 

Der Offsetdruck beherrscht das Thema Kleinauflagen mittlerweile auch ganz gut! Bleibt dem Digitaldruck nur die Personalisierung und Individualisierung?
Wir werden uns langfristig aufgrund der Rüstzeiten, Flexibilität und Qualität durchsetzen. Der Digitaldruck ist einfach die bessere Antwort auf die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen. Darüber hinaus ergeben sich mit dem Digitaldruck weitere noch gar nicht angesprochene Vorteile – etwa in der Personalisierung und Individualisierung. Auf einer Maschine von Landa lassen sich konventionelle Aufträge genauso gut wie personalisierte produzieren und der Markt für Kleinauflagen wird weiterhin wachsen.

Wir sehen auch bei unseren Installationen, dass die Kleinauflagen Richtung Landa wandern, wodurch zusätzliche Kapazitäten im Offsetdruck freigespielt werden. Und unser erweiterter Farbraum, mit dem wir 96 Prozent aller Pantone-Farben abdecken, ist ein weiterer Trumpf, den unsere Kunden ausspielen können. Ein Kunde produziert auf unseren Maschine Signaturen von Schulbüchern in der richtigen Reihenfolge und erzielt dadurch in der Weiterverarbeitung enorme Einsparungen.

Mit Ausnahme von Heidelberg, die ihre Entwicklung eingestellt haben, gehen alle Offsetdruckmaschinenhersteller in Richtung Digitaldruck. Komori mit uns und Koenig & Bauer mit Durst – die Richtung stimmt.

Wie groß schätzen Sie den weltweiten Markt für Landa-Maschinen im B1-Format ein?
Der weltweite Markt für B1-Maschinen allgemein liegt aktuell bei rund 800 Maschinen pro Jahr (Anm. d. Red.: was in etwa 5.000 Druckwerken pro Jahr entspricht). Wir glauben, dass Landa über kurz oder lang einen wesentlichen Marktanteil für sich verbuchen können wird. Vor allem Druckereien, die mehrere konventionelle Maschinen installiert haben, werden ihren Maschinenpark mit einer Lösung von Landa ergänzen und so von den Vorteilen des Digitaldrucks profitieren.

Was erwartet sich Landa in der DACH-Region?
In der DACH-Region werden 100 bis 120 B1-Maschine pro Jahr verkauft. Wir haben bereits mehrere Installationen in der Region. Für uns ist die DACH-Region wegen ihrer Größe, aber auch wegen der qualitativen Ausrichtung der Betriebe sicherlich ein Schlüsselmarkt. Deshalb bauen wir unser Vertriebs- und Service-Netzwerk in der Region aus. 

Wie sieht das Geschäftsmodell von Landa konkret aus? Was sollte der Anwender mitbringen, um mit der Landa-Technologie erfolgreich zu sein?
Der Kunden kauft je nach Konfiguration die Druckmaschine, wobei wir Preise nicht veröffentlichen. Zusätzlich verrechnen wir eine Gebühr pro bedrucktem Bogen. Darin sind nicht nur die Tinten, sondern auch die Gummitücher sowie der Service und Support enthalten. Die zentrale Frage aus Sicht des Druckers ist: Was kostet ein bedruckter Bogen? Die Antwort liefern unsere bestehenden Anwender in aller Welt. Bei Auflagen zwischen einigen Hundert bis zu einigen Tausend Bogen, ist Landa aus ihrer Sicht eine absolute Alternative. 

Welchen Grad an Verfügbarkeit und Prozessstabilität können Sie den Kunden garantieren?
Auch hier veröffentlichen wir keine Zahlen, die Werte schwanken je nach Kunde und Anwendung. Nach dem Abschluss der Beta-Installationen arbeiten wir kontinuierlich daran, die Verfügbarkeit unserer Maschinen zu steigern. 90 Prozent unserer Kunden nutzen ihre Maschine Tag für Tag teilweise sogar im Mehr-Schicht-Betrieb und das steigende Druckvolumen zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Auf der drupa 2016 kündigte Landa Aufträge im Wert von 450 Millionen Euro an. Das ist ein geschätztes Volumen von rund 100 Maschinen. Was ist aus diesen Aufträgen geworden?
Die meisten dieser Vereinbarungen sind nach wie vor aufrecht. Nicht alle haben bereits zu einer Installation geführt. Teilweise befinden sich die Kunden in Gebieten, die wir geografisch noch nicht erschlossen haben. Es wurden auch Vereinbarungen für die Rollenmaschine unterzeichnet, die noch gar nicht kommerziell verfügbar ist. 

Wir haben in den nächsten Jahren einiges in der Pipeline. Mit jeder neu installierten Maschine können wir unter Beweis stellen, dass die Landa-Technologie eine wirtschaftliche Lösung ist, mit der unsere Kunden gutes Geld verdienen.

In welche Richtung wird Landa sein Portfolio ausbauen? Was können wir erwarten?
In den nächsten zwei, drei Jahren werden wir uns darauf konzentrieren, die Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit unserer bestehenden Lösungen weiter zu optimieren. Den nächsten große Schritt setzen wir mit der Einführung unserer Rollenmaschine. In der Landa-Technologie steckt noch viel Potenzial, das weit über Papier und Kunststoff hinausgeht. Wohin die Reise geht, das wird die Zeit respektive der Markt entscheiden.

Arik, danke für das Gespräch!

www.landanano.com

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