Finishing 4.0 sorgt für Ressourceneffizienz

In der Interviewreihe „Circular Competence“ befragt der VDMA Fachverband Druck- und Papiertechnik Unternehmen zu  ihren Plänen, Lösungen und Herausforderungen auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft.

Fußabdruck

Adrian Mayr, Leiter Produkt Management & Corporate Marketing der Müller Martini AG, erklärt, wie automatisierte Weiterverarbeitungstechnologie helfen kann, Energie und Ressourcen zu sparen und den ökologischen Fußabdruck von Druckerzeugnissen zu minimieren.

Laut Vereinten Nationen droht sich der globale Ressourcenbedarf bis 2050 zu verdoppeln. Wie trimmen Sie Ihre Produktion auf mehr Ressourceneffizienz?

Adrian Mayr: Als klassischer Maschinen- und Anlagenbauer hat Müller Martini zwei Montagewerke und ein Werk, das für uns selbst und für externe Kunden Bleche bearbeitet und mechanische Teile fertigt. In der Montage haben Abfallvermeidung und Energieeffizienz seit vielen Jahren einen sehr hohen Stellenwert. Hier arbeiten wir gemäß der Kaizen-Philosophie an kontinuierlicher Prozessoptimierung. Auch in der Fertigung nutzen wir Potenziale zur Ressourceneinsparung: Unser Werk in Hasle bei Luzern ist seit Jahren nach ISO 14001 zertifiziert. Wir arbeiten dort mit einem hochmodernen energieeffizienten Maschinenpark, trennen Reststoffe konsequent und führen sie dem Recycling zu.

Auch nutzen wir digitale Tools und Laserschneidprozesse, um den Verschnitt in der Blechverarbeitung zu minimieren. Wirtschaftliche und ökologische Vorteile greifen dabei ineinander. Es ist das Gebot der Stunde, mit Ressourcen haushälterischumzugehen.

Wie tragen Ihre Produkte dazu bei, dass Ihre Kunden Rohstoffe effizienternutzen?
Hier spielen Finishing 4.0 und unsere Smart-Factory-Lösungen eine ganz wesentliche Rolle. In der Buchherstellung war es lange üblich, hohe Auflagen zu produzieren. Wenn die Verlage zu optimistische Absatzprognosen zugrunde legten, mussten sie viele Exemplare wegwerfen. Es war dennoch wirtschaftlicher, weil die ganze Offsetdruck- und Weiterverarbeitungstechnik auf hohen Durchsatz ausgelegt war. Ressourceneffizient war das natürlich nicht.

Das ändert sich mit der heutigen Technologie. Bücher werden on demand abStückzahl 1 produziert und bei großer Nachfrage nachgedruckt. Die Vorteile von der Lagerhaltung bis Ressourceneinsatz liegen auf der Hand. Allerdings setzt der Wandel hochflexible Weiterverarbeitungslösungen mit kurzen, automatisierten Umrüstprozessen und minimaler Makulatur voraus. Hier setzt Müller Martini mit Finishing 4.0 an. Beim Jobwechsel durchläuft das erste Exemplar die Prozesskette und hält automatisch an, wo Einstellungen nachzujustieren sind. Diese Assistenz beim Einrichten spart Zeit und minimiert die Anlaufmakulatur. Wo Hunderttausende Bücher oder Broschüren produziert werden, fallen 20 Makulatur-Exemplare nicht ins Gewicht. Bei drei- bis vierstelligen Auflagen oder beim personalisierten Fotobuch ist das anders – zumal unsere Maschinen veredelte, werthaltige Produkte verarbeiten. Ehe unsere Prozesse starten, wurde das Papier hergestellt, geschnitten, bedruckt,gefalzt und vieles mehr. Daher unser interner Claim: first copy sellable – gleich das erste Exemplar muss die Qualität aufweisen, um verkauft werden zu können.

Welche Rolle spielt dieses Thema in der Forschung und Entwicklung bei Müller Martini?
Es ist zentral. Wir treiben die Automatisierung voran, nutzen dafür das ganzePotenzial der Digitalisierung und setzen weitestgehend auf energieeffizienteServoantriebe. Im Gegensatz zu früheren Konzepten, in denen zentraleAntriebswellen ständig alle Stationen in Bewegung hielten, ob sie nun gebraucht wurden oder nicht, ermöglicht es die Servotechnik, gezielt nur jene Bereiche zu bewegen, in denen gerade Finishing-Prozesse laufen. Automation darf nie ein Selbstzweck sein. Sie muss dem Kunden Mehrwerte bringen. Im Fall von Finishing 4.0 besteht dieser Mehrwert unter anderem in der Energie- und Ressourceneffizienz. Es wird damit wirtschaftlich, an der realen Nachfrage orientiert in kleineren Auflagen zu produzieren. Das spart beträchtliche Mengen an Papier, Druckfarben, Lösemitteln,Wasser und Energie.

Ist die Nachfrage nach ressourceneffizienten Lösungen eher regulatorisch oder eher durch mögliche Kosteneinsparungen getrieben?
Kostenvorteile und Ressourceneffizienz gehen Hand in Hand. Aber nicht zuletzt im Zuge des Green Deals der EU gewinnen regulatorische Aspekte an Bedeutung. Kunden bekommen für Modernisierungsprojekte oft nur dann Fördermittel, wenn ihre neue Maschinengeneration bestimmte Nachhaltigkeitsziele erfüllt. Das hilft uns, weil wir entsprechend effiziente Technik im Angebot haben und nicht erst anfangen müssen, diese zu entwickeln.

Was sollten Gesetzgeber unternehmen, um ressourceneffizienteTechnologien zu fördern?
Müller Martini war schon immer zurückhaltend, was Forderungen an die Politik betrifft. Wir beobachten in unserem Markt, dass selbst in einem technisch so hoch entwickelten Land wie Deutschland großes Modernisierungspotenzial ruht. ImDurchschnitt sind Maschinen zur Druckweiterverarbeitung 20 Jahre alt.

Gelingt es, den Austausch der alten Technik gegen die neueste digitalisierteMaschinengeneration mit gezielter Förderung zu beschleunigen, dann verbessertdas die Ausgangslage der Branche im globalen Wettbewerb.

Gleichzeitig wird es möglich, Druckerzeugnisse mit viel kleinerem ökologischenFußabdruck zu produzieren. Effiziente Technik ist verfügbar. Es gilt nun, sie zügig in den Markt zu bringen.

Herr Mayr, danke für das Gespräch!

www.mullermartini.com

 

 

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