Konsolidierung am europäischen Papiermarkt

Aufgrund des rückläufigen Absatzvolumens bei grafischen Papieren über die vergangenen Jahre war klar, dass in der Papierindustrie etwas passieren wird. Mit dem angekündigten Joint Venture der beiden großen Player im Bereich der ungestrichenen Papiere, Sappi und UPM, hat wohl niemand gerechnet. Ein Kommentar von Knud Wassermann

Joint Venture

Allein 2025 ist das Absatzvolumen für grafische Papiere in Europa insgesamt um etwa 9 % zurückgegangen. Wenn man sich die Mengenentwicklung bei gestrichenen Papieren in Europa über die letzten fünf Jahre ansieht, fallen die Zahlen noch dramatischer aus und liegen bei einem Minus von über 40 %. Trotz aller Bemühungen, Kapazitäten aus dem Markt zu nehmen, hat die Papierbranche weiterhin mit Überkapazitäten zu kämpfen. Expert*innen sprechen aktuell von 1,5 Millionen Jahrestonnen bei gestrichenen Papieren. Das ist mehr als die gesamte Jahresproduktion von zwei großen Papierfabriken – wie etwa Gratkorn und Kirkniemi.

Dementsprechend schlecht war auch der Auslastungsgrad der Papierfabriken in diesem Jahr, der weit unter 85 % lag. In der Regel läuft eine Papiermaschine, abhängig von den Marktpreisen, mit einem Auslastungsgrad von 85 % kostendeckend. Ab 90 % produzieren die Maschinen profitabel. Bei ungestrichenen Papieren sieht die Lage auch nicht viel besser aus, hier wird von rund 1,2 Millionen Jahrestonnen an Überkapazitäten gesprochen. Auch in diesem Bereich besteht also Handlungsbedarf.

Ein ordentlicher Knaller

Die Ankündigung von Sappi und UPM, ihr Geschäft mit grafischen Papieren in ein gemeinsames Joint Venture einzubringen, war ein ordentlicher Knaller. Wenn man sich die Marktverhältnisse anschaut, so bleibt nach diesem Zusammenschluss nicht mehr viel über. Da gibt es noch die italienische Burgo Group, die Garda, die zur spanischen Lecta Group gehört, und Leipa und dann wird die Luft schon sehr dünn.

Es ist schwer vorstellbar, dass die europäische Wettbewerbsbehörde den Deal einfach so sang- und klanglos durchwinkt. Wahrscheinlich wird die Wettbewerbsbehörde darauf bestehen, dass nicht alle zwölf Fabriken, die in das Joint Venture eingebracht werden, in der bestehenden Form weitergeführt werden. Bis das Verfahren abgeschlossen ist, bleibt alles beim Alten. Ende 2026 soll das Joint Venture laut Sappi und UPM Fahrt aufnehmen.

Und was bedeutet das für die Druckindustrie?

Die Nachfrage regelt das Angebot, das ist ein fundamentales Prinzip der Marktwirtschaft und bestimmt auch den Preis. Daher ist weniger Wettbewerb unter den Papierherstellern nie gut für die Druckindustrie und wird über kurz oder lang zu Preissteigerungen führen. Aktuell ist schwer abzuschätzen, wann die Talsohle bei der Nachfrage bei grafischen Papieren erreicht sein wird. Ob die eingeleiteten Schritte für eine nachhaltige Konsolidierung der Papierindustrie ausreichen werden, steht in den Sternen, denn die Digitalisierung der Medienlandschaft geht ungebremst weiter. Ein großes Fragezeichen ist auch, wie sich das Joint Venture auf den heimischen Papiergroßhandel auswirken wird.

 

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