Fujifilm erklärt, bei diesem Schritt gehe es darum, Wachstumspotenziale zu erschließen, die Kapitaleffizienz zu verbessern und »Business Innovation« mehr Freiheit bei Investitionen und dem Aufbau von Partnerschaften zu geben – nicht darum, das Geschäft aufzugeben. Das Portfolio im »Business Innovation«-Bereich umfasst Tintenstrahl-Druckköpfe, Tinten, Toner-Druckmaschinen, Druckplatten sowie Hardware für den Büro- und Produktionsdruck.
Fujifilm wird die entsprechenden Geschäftsbereiche unter der Fujifilm Business Innovation Corporation zusammenfassen, weniger als 20 Prozent des neuen Unternehmens behalten und die restlichen Anteile als Sachdividende an die Fujifilm-Aktionäre ausschütten. Das neue Unternehmen wird voraussichtlich an der Tokioter Börse notiert werden. Die Transaktion bedarf noch der Genehmigung durch Aufsichtsbehörden, die Börse und die Aktionäre; der Abschluss wird voraussichtlich zwei bis drei Jahre dauern.
Die Zahlen sprechen für sich
Business Innovation erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von rund 1,17 Billionen Yen und steht damit für etwa 35 Prozent des Fujifilm-Konzernumsatzes. Weltweit beschäftigt der Bereich mehr als 31.600 Mitarbeiter. Allerdings entwickeln sich die einzelnen Geschäftsfelder sehr unterschiedlich. Während Fujifilms Bereiche Healthcare (+12,4 %), Electronics (+25 5) und Imaging (+16,2 %) zuletzt deutlich wachsen konnten, stagnierte Business Innovation weitgehend. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 erzielte der Geschäftsbereich einen Umsatz von 273,2 Milliarden Yen (1,8 Milliarden US-Dollar), musste allerdings einen operativen Verlust von 1,4 Milliarden Yen (9,3 Millionen US-Dollar) verbuchen. Das Geschäft mit Tintenstrahl-Druckköpfen entwickelte sich positiv, während die Nachfrage nach Bürolösungen insbesondere in Europa und den USA schwächer ausfiel.
Damit wird ein wesentlicher Hintergrund der geplanten Ausgliederung sichtbar: Business Innovation soll seine Transformation nicht länger innerhalb eines Konzerns, sondern selbst finanzieren. Die Neuausrichtung hat sich schon vor längerer Zeit mit einer Reihe von strategischen Einschnitten angekündigt. Das Unternehmen stellte etwas die Druckplattenproduktion in den Niederlanden, den Verkauf von Jet Press für das B2-Format in Europa und den USA und den Großteil seines Acuity-Portfolios ein. Fujifilm hat den Inkjet-Druck für flexible Verpackungen und Acuity-Fusion-Technologie mit wasserbasierten beibehalten – Bereiche, die das Unternehmen als strategisch erachtet.
Wachstumsziele
Naoki Hama, CEO von Business Innovation, skizzierte kürzlich ein ehrgeiziges Ziel: Das Geschäft soll von 1,17 Billionen Yen (7,8 Milliarden US-Dollar) im Jahr 2025 auf 1,3 Billionen Yen (8,7 Milliarden US-Dollar) bis 2030 wachsen, bei einer operativen Marge von 10 Prozent. Hama sagt, KI könne die Produktentwicklung beschleunigen, wobei die übergeordnete Mission darin bestehe, Kunden von der analogen zur digitalen Produktion zu führen.
Der Bereich Business Innovation hat seine Wurzeln bei Fuji Xerox, dem 1962 gegründeten Joint Venture zwischen Fujifilm und Xerox. Die Beziehung änderte sich, nachdem ein geplanter 6-Milliarden-Dollar-Deal zwischen Xerox und Fujifilm 2019 aufgrund des Widerstands der Xerox-Investoren Carl Icahn und Darwin Deason scheiterte. Fujifilm erwarb daraufhin den 25-prozentigen Anteil von Xerox für 2,3 Milliarden Dollar, wodurch Fuji Xerox zu einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft von Fujifilm wurde. Zu seiner Blütezeit machte das Geschäft fast die Hälfte des Umsatzes von Fujifilm aus.
Die Ausgliederung fügt sich nahtlos in die »VISION2030«-Strategie von Fujifilm ein, deren Schwerpunkte auf Rentabilität und Kapitaleffizienz liegen. Fujifilms Argumentation ist klar: Der Geschäftsbereich »Business Innovation« benötigt die Eigenständigkeit, um Investitionsentscheidungen schneller umzusetzen und die Auswahl möglicher Partner selbst zu entscheiden, anstatt intern mit schneller wachsenden Geschäftsbereichen um Investitionsmittel zu konkurrieren.
Einschätzung
Die Herausforderung liegt allerdings nicht allein in der Technologie. Entscheidend sind ebenso Vertrieb, Service und installierte Basis. Fujifilm verfügt zwar über interessante Produktionsdrucksysteme, kommt im Markt aber bislang nicht auf eine vergleichbare installierte Basis wie etwa der Vertriebs-Partner Xerox. Gerade im Produktionsdruck ist eine hohe Maschinenbasis entscheidend, weil sie Serviceumsätze, Verbrauchsmaterialien, Folgegeschäft und eine enge Kundenbindung ermöglicht. Die geplante Verselbstständigung könnte Business Innovation daher die Möglichkeit bieten, stärker in Vertrieb und Service zu investieren und die eigene Position im Produktionsdruck gezielter auszubauen. Und dann stellt sich noch die Frage, wie es mit der Partnerschaft mit Xerox mittelfristig weitergehen soll?
Was aus meiner Sicht nicht nachvollziehen ist, ist der Ausstieg aus dem Inkjetdruck im Akzidenzbereich. Sich hier nur auf die Tonerdruck-Technologie zu fokussieren, ist zu kurz gegriffen. Vor allem wenn man über eigene Druckköpfe verfügt. Inkjet bietet gegenüber tonerbasierenden Systemen insbesondere bei höheren Druckvolumina Vorteile in der Produktivität und kann mit seiner höheren Verfügbarkeit punkten. Toner wiederum besitzt seine Stärken bei bestimmten Anwendungen, Medien und Auflagenstrukturen.
Eine konsequente Digitaldruckstrategie müsste deshalb beide Technologien berücksichtigen – und sie entsprechend den jeweiligen Anwendungen positionieren. Hartnäckig haltet sich auch das Gerücht, dass Fujifilm sein Druckplattengeschäft an einen chinesischen Hersteller verkaufen will. Das würde dazu passen, in Europa wurde die Druckplattenproduktion ja bereits aufgegeben. Wenn der Aufsichtsrat dem Plan zustimmt, soll die Umsetzung innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre erfolgen.
