Gerade hat die Cewe Stiftung & Co. KGaA den Verkauf ihres gesamten Geschäftsbereichs Kommerzieller Onlinedruck (KOD) an Cimpress bekanntgegeben. Zum Paket gehören der Produktionsbetrieb von Saxoprint in Dresden sowie die Vertriebseinheiten viaprinto und Laserline. Zusammen standen diese Marken 2025 für einen Umsatz von 89,6 Mio. Euro und ein EBIT von 1,7 Mio. Euro (2024: 3,4 Mio. Euro) – eine Marge von knapp zwei Prozent (Vorjahr: rund 3,8 %), die innerhalb der Cewe-Gruppe hinter dem profitablen Fotofinishing-Kerngeschäft zurückblieb.
Über den Kaufpreis haben, wie es offiziell heißt, beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Cewe teilt immerhin mit, dass der Mittelzufluss die aktuellen Buchwerte des Geschäftsbereichs übersteigen wird – und nach Abzug aller zugeordneten Vermögenswerte und Schulden einschließlich Goodwill ein Gewinn im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich erwartet wird. Der Abschluss der Übernahme ist für das zweite Halbjahr 2026 geplant, vorbehaltlich kartellrechtlicher und behördlicher Genehmigungen. Alle 544 Mitarbeitenden im KOD sollen von Cimpress übernommen werden.
Cewe fokussiert sich künftig wieder auf das Kerngeschäft Fotofinishing
Aus Sicht von Cewe folgt der Verkauf einer einfachen Rechnung. Das Kerngeschäft Fotofinishing erzielte 2025 mit 745,5 Mio. Euro Umsatz und einem EBIT von 86,6 Mio. Euro eine berichtete Marge von 11,6 Prozent (operative EBIT-Marge: 11,9 Prozent), gegenüber den 1,9 Prozent des kommerziellen Onlinedrucks. Pro forma, also ohne den KOD gerechnet, beliefe sich die Konzern-EBIT-Marge auf rund 11,2 Prozent (statt 10,2 Prozent) und der ROCE – die Verzinsung auf das eingesetzte Kapital – läge um zwei Prozentpunkte höher, bei 19,6 Prozent.
»Wir allokieren Kapital dort, wo nachhaltig die höchsten Renditen erzielt werden«, erklärte Thomas Mehls, CEO der Cewe Group, in der Pressemitteilung zur Übernahme. Zudem spricht er vom Best-Owner-Prinzip: Cewe habe ein starkes kommerzielles Onlineprint-Geschäft, sehe dessen Potenzial aber unter einem Eigentümer wie Cimpress besser (auf-)gehoben. Cewe könne sich dadurch vollständig auf sein Kerngeschäft Fotofinishing konzentrieren – dort, wo das Unternehmen seine stärkste Marktposition und nach eigener Einschätzung die größten Wertschöpfungschancen sieht.
Entsprechend will das Unternehmen den Erlös aus der Transaktion in den Ausbau genau dieses Schwerpunkts stecken. Die neue Unternehmensplanung für 2026 – ohne KOD – sieht einen Umsatz von 780 bis 810 Mio. Euro und ein EBIT zwischen 85 und 91 Mio. Euro vor. Das Cewe-Management orientiert sich nach eigenen Angaben an Werten in der oberen Hälfte der Korridore.
Für Cimpress bringt der Deal Produktionspower für das Europageschäft
Cimpress, bekannt durch VistaPrint, WIRmachenDRUCK, druck.at und Pixartprinting, sichert sich mit dem KOD-Paket vor allem eines: industrielle Fertigungskapazität auf höchstem Niveau. Der Produktionsstandort von Saxoprint in Dresden gilt als hochautomatisiert und technologisch führend; mit Offset- und Digitaldrucktechnologie, die Aufträge auflagenoptimal steuert. Für Cimpress, das sein europäisches Produktionsnetzwerk konsequent ausgebaut hat, ist das ein strategisch wertvoller Zugewinn.
Robert Keane formuliert es in der Mitteilung entsprechend klar: Mehrere Cimpress-Unternehmen sollen künftig Saxoprint-Kapazitäten für Kernprodukte nutzen, während Saxoprint umgekehrt Produkte aus anderen spezialisierten Cimpress-Hubs in Europa beziehen kann. Cimpress erwartet daraus Synergien im Fulfillment, zusätzliche Cashflow-Effekte und im Basisszenario Kapitalrenditen von deutlich über 20 Prozent.
Die Übernahme des Cewe-Geschäftsbereichs ist für Cimpress alles andere als ein Impuls-Kauf. Der Konzern verfolgt seit Jahren eine klare Konsolidierungsstrategie im europäischen Onlinedruckmarkt: 2015 übernahm das Unternehmen druck.at in Österreich, Ende 2015 folgte WIRmachenDRUCK für rund 140 Mio. Euro – damals ein Paukenschlag, der Cimpress schlagartig zur Nummer zwei im deutschen Markt machte. Der Konzern konnte damit nicht nur den Kundenzugang, sondern auch seine Netzwerklogik und Business Intelligence im D/A/CH-Raum ausbauen. Außerdem Pixartprinting, Exaprint oder Tradeprint – die Liste der Zukäufe ist lang.
Cimpress erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen weltweiten Umsatz von rund 3,4 Mrd. US-Dollar – und ist damit weiterhin der mit Abstand größte Onlineprint- und Mass-Customization-Konzern der Branche. Ein besonderer Wachstumsmotor dabei ist das Segment »Upload & Print«, zu dem PrintBrothers und The Print Group gehören. Zusammen überschritten sie 2025 erstmals die Umsatzmarke von 1 Mrd. US-Dollar; auf berichteter Basis wuchsen die beiden Segmente im Gesamtjahr 2025 um 5 bzw. 7 Prozent, organisch und währungsbereinigt um 4 bzw. 6 Prozent. Saxoprint passt als Produktionsknotenpunkt hier also ideal dazu.
Darüber hinaus hat Cimpress wiederholt gezeigt, dass es nicht nur digitale Plattformen bauen, sondern auch reale Produktionsstrukturen sichern will. Der im vergangenen Jahr geschlossene Österreich-Deal mit Print Alliance und der Druckerei Gerin (beyond-print.de berichtete) zeigte bereits, wie Cimpress lokale Kapazitäten in bestehende Strukturen integrieren kann. Mit Saxoprint und viaprinto kommt nun ein weiterer deutscher Baustein hinzu, der strategisch noch direkter auf das Upload-&-Print-Modell einzahlt. Das dürfte vor allem dort Wirkung entfalten, wo standardisierte Druckprodukte, europaweite Beschaffung, Produktionsrouting und Markenführung zusammenkommen. Für Wettbewerber heißt das: Cimpress wird in Deutschland nicht leiser. Eher im Gegenteil.
Weiteres Puzzleteil in der europäischen Marktkonsolidierung
Wer den Onlineprint in den vergangenen 15 Jahre verfolgt hat, dem mag diese neueste Meldung womöglich wie ein Déjà-vu vorkommen. 2012 übernahm Cewe Saxoprint; damals mit einem Jahresumsatz von knapp über 31 Mio. Euro und mit dem Ziel, im kommerziellen Onlinedruck zu wachsen. 2017 folgte die Übernahme von Laserline aus Berlin, um das Markenportfolio und das Highend-Produkt-Segment zu stärken. Das Ziel, mit dem kommerziellen Onlinedruck mehr als 100 Mio. Euro Jahresumsatz zu erzielen, wurde in der Spitze knapp verfehlt – der Markt blieb eng und preisintensiv.
Gleichzeitig hat das Fotofinishing-Geschäft von Cewe in dieser Zeit eine bemerkenswerte Aufholjagd hingelegt: 17 Dividendenerhöhungen in Folge, steigende Margen, starke Marken. Die strategische Logik des Verkaufs erscheint daher nur konsequent: Cewe war nie ein reiner Onlinedrucker, sondern immer ein Fotounternehmen, das den Druckbereich als Ergänzung und Wachstumshebel genutzt hat. Jetzt zieht es die Konsequenz.
Bernd Zipper’s Take: Dieser Deal macht Sinn, und das für beide Seiten. Cewe hat lange genug versucht, im kommerziellen Onlinedruck mitzuspielen, aber ein Unternehmen mit dem Herz im Fotofinishing wird dort nie so effizient wirtschaften wie ein auf Volumen und Skalierung getrimmter Weltmarktführer. Cimpress hingegen bekommt genau das, was es braucht: einen modernen, hocheffizienten Produktionsstandort in Deutschland und drei etablierte Marken mit treuer Kundenbasis. Der Markt konsolidiert sich, wie ich es seit Jahren sage – und diesmal fällt ein bedeutendes Stück an einen konstant wachsenden Player. Cewe kann sich jetzt voll auf das konzentrieren, was es wirklich gut kann – und Cimpress vergrößert seinen Einflussbereich erneut

