Graphische Revue: Wie geht es Agfa in diesen durchaus herausfordernden Zeiten? Vor welchen Herausforderungen steht das Unternehmen?
Arnaud Calleja: 2024 war für den Geschäftsbereich Digital Printing Solution – darin sind alle Aktivitäten rund um den Inkjedruck angesiedelt und gebündelt – ein sehr positives Jahr. Wir haben im Jahr 2024 ein zweistelliges Wachstum erreicht. Die zuletzt vorgestellten Produkte haben uns einen unglaublichen Schub verliehen. Und wir glauben, dass wir diesen Wachstumskurs 2025 fortsetzen werden.
Aus welchen Segmenten kommt das Wachstum?
Als globaler Player konnten wir 2024 in allen Regionen unseren Umsatz steigern. Wir verfügen über ein global agierendes Vertriebs- und Service-Team, das unsere innovativen Lösungen am Markt implementiert und serviciert. Wir investieren kontinuierlich in Hard- und Software, aber auch in Tinten und in die Nachhaltigkeit unserer Lösungen. Die Kunden nehmen uns als seriösen Lösungsanbieter wahr, was sich positiv auf unsere wirtschaftliche Entwicklung auswirkt.
Sind die Neuausrichtung von Agfa und die Übernahme von Inca strategisch aufgegangen?
Die Übernahme von Inca erfolgte bereits 2022. Sowohl die Übernahme als auch die Integration haben wir erfolgreich umgesetzt und abgeschlossen. Mit der Single-Pass-Technologie von Inca haben wir eine Lücke in unserem Portfolio geschlossen. Ziel ist es, auf Basis der Single-Pass-Technologie Lösungen für den digitalen Verpackungsdruck auf den Markt zu bringen. Das SpeedSet-System, das für den Faltschachteldruck konzipiert ist, befindet sich gerade im Betatest. In der Partnerschaft mit BHS bringen wir auch eine Lösung für den digitalen Wellpappendruck auf den Markt. Die Übernahme war strategisch absolut richtig, und wir werden damit den digitalen Verpackungsdruck sowohl in der Faltschachtel als auch in der Wellpappe in den kommenden Jahren mitgestalten.
Wie hat sich die strategische Partnerschaft mit EFI entwickelt? Bleibt es beim Technologieaustausch oder wird die Partnerschaft vertieft?
Die strategische Partnerschaft mit EFI hat sich im Jahr 2024 unseren Erwartungen entsprechend entwickelt und bereits zu unserem Wachstum im Jahr 2024 beigetragen. Wir gehen davon aus, dass sich die Partnerschaft in gleicher Weise fortsetzen wird.
Wie entwickeln sich die Märkte »Sign & Display« aus Ihrer Sicht? Wachstum oder reine Verdrängung?
Wir sehen beides. Die Technologie für den Sign & Display-Markt ist ausgereift, das Wachstum hat sich in den letzten Jahren etwas eingebremst. Aber auch hier ist Innovation gefragt. Darauf haben wir 2024 auf der FESPA mit der Markteinführung von drei neuen Systemen geantwortet. Darunter das Rollendrucksystem Jeti Condor mit einer Druckbreite von 5,2 Metern und die Hybrid-Lösung Jeti Bronco, die eine höhere Produktivität liefert. Ciervo ist die nächste Generation unserer Anapurna-Plattform. Damit können wir in Hinblick auf Produktivität, Qualität und Anwendungsvielfalt die Anforderungen unserer Kunden optimal abdecken. Diese drei Systeme sind vom Markt sehr positiv aufgenommen worden und haben wesentlich zu unserem Wachstum beigetragen. Und auch dieses Jahr werden wir auf der FESPA in Berlin weitere Innovationen vorstellen. Aus meiner Sicht ist Agfa heute der innovativste Player im digitalen Großformatdruck, wir geben das Tempo in der Entwicklung vor.
Welche Marktposition nimmt Agfa im Segment »Signage & Display« in Europa – speziell in der DACH-Region – ein?
Für Agfa hat die DACH-Region schon immer eine zentrale Rolle gespielt. Bestehende, aber auch potenzielle Kunden sind sehr interessiert an unseren umfassenden Lösungen aus Soft- und Hardware sowie an Verbrauchsmaterialien wie Tinte, Service und Support. Weltweit beschäftigen wir 150 Service-Techniker, die technische Probleme in einem Betrieb rasch beheben können. Darüber hinaus unterstützt unser Support-Team Kunden bei der Anwendungsentwicklung. Hier geht es sehr oft darum, Tinte und Material optimal aufeinander abzustimmen. Dieser umfassende Ansatz hilft uns auch, Neukunden zu gewinnen.
In welcher Art und Weise hebt sich Agfa mit seinen Lösungen und Dienstleistungen vom Wettbewerb ab?
Der Eckpfeiler ist der, dass sich Agfa zu einem One-Stop-Shop entwickelt hat. Wir decken heute alle Themen rund um den digitalen Großformatdruck ab und entwickeln und bauen unsere eigene Hardware, wir schreiben unsere eigene Software und produzieren unsere eigenen Tinten. Dieser Ansatz in Kombination mit Service und Support ist ganz entscheidend, um das Maximum hinsichtlich Produktivität, aber auch Qualität aus unseren Maschinen herauszuholen. Ich bin davon überzeugt, dass dies unser Alleinstellungsmerkmal ist. Um diese Position zu halten, investieren wir jetzt und in Zukunft massiv in Forschung und Entwicklung. Ein weiterer Punkt ist das Thema Nachhaltigkeit. Wir werden auf der FESPA in Berlin innovative Ansätze vorstellen. Damit werden wir uns mit Sicherheit noch stärker vom Wettbewerb abheben.
In welche Richtung wird Agfa das Portfolio im Rahmen der FESPA ausbauen? Was können wir in Berlin erwarten?
Ohne ins Detail zu gehen, kann ich versichern, dass wir in Berlin wieder weltweite Produktneuheiten präsentieren werden. Einige stammen aus der Übernahme von Inca, die jetzt reif für den Markt sind. Andere Entwicklung kommen aus unserem F&E-Center in Belgien. Grundsätzlich gehen die Entwicklungen in Richtung höhere Geschwindigkeit und somit mehr Produktivität für den Sign & Display-Markt. Wir werden auch neue Tools zur Automatisierung, neue Software-Lösungen und Tinten vorstellen und aufzeigen, wie sich dies alles positiv auf die Nachhaltigkeit der gesamten Produktionskette auswirkt.
Wird KI auch im Sign & Display-Bereich zu einem Thema?
KI kommt heute schon zum Einsatz und wird immer wichtiger. Gerade in der Prozess-Optimierung sehen wir ein großes Potenzial, um die Produktivität unserer Maschinen auf die Spitze zu treiben. Auch im Service kann uns die KI helfen, Serviceeinsätze vorausschauend zu planen, um so Störungen oder Ausfälle in der Produktion soweit wie möglich auszuschließen. KI im Service hat für uns oberste Priorität.
In welchem Stadium befindet sich das Projekt SpeedSet für den digitalen Verpackungsdruck?
Mit der SpeedSet sprechen wir gezielt den Faltschachtel-Markt an. Auch in diesem Bereich gehen die Auflagen zurück. Der Markt verlangt mehr Variabilität in der Gestaltung und kürzere Lieferzeiten. All diese Anforderungen kann die SpeedSet abdecken. Seit 2024 befindet sich die Maschine bei einem europäischen Kunden im Betatest. Für 2026 planen wir die Markteinführung.
Welche Anwendungen im Industrial Printing haben ein besonders hohes Potenzial?
Es gibt nach wie vor viele Industriezweige, die analog arbeiten und im wahrsten Sinne auf eine digitale Transformation warten. Im Industrial Printing fokussieren wir uns auf die Verpackung – gezielt auf die Faltschachtel und Wellpappe – und verfolgen auch hier die One-Stop-Shop-Strategie. Der Digitalisierungsgrad der Verpackungsproduktion ist nach wie vor sehr gering. Langfristig sehen wir in diesem Bereich ein enormes Wachstumspotenzial.
Wie soll Agfa in fünf Jahren aufgestellt sein?
Wir haben einen Fünfjahresplan, den wir jedes Jahr aufs Neue adaptieren. Dabei unternehmen wir den Versuch, herauszufinden, wo der Digitaldruck in fünf Jahren steht. Unser aktuelles Geschäft ist immer noch sehr stark auf das Segment Sign & Display ausgerichtet. In fünf Jahren wird der digitale Verpackungsdruck eine wesentliche Rolle für Agfa spielen und unseren Kunden neue Wachstumsmöglichkeiten bieten. Den Bereich Sign & Display werden wir natürlich auch langfristig weiterentwickeln und kundenorientierte Lösungen auf den Markt bringen.
Herr Calleja, danke für das Gespräch!