20 Jahre VIENNA DESIGN WEEK: Eine Stadt voller Plakate

Die VIENNA DESIGN WEEK, Österreichs größtes kuratiertes Designfestival, feiert heuer ihr 20-jähriges Jubiläum. Das Image und die öffentliche Wahrnehmung der von Lilli Hollein, Tulga Beyerle und Thomas Geisler gegründeten und mittlerweile international renommierten Initiative wurde jeden Herbst aufs Neue von ihren Plakatkampagnen entscheidend mitgeprägt. Mit der Präsentation 20 Jahre VIENNA DESIGN WEEK. Eine Stadt voller Plakate würdigt das MAK die für die Gestaltung verantwortlichen Designer*innen.

VIENNA DESIGN WEEK

Im Herbst 2006 glich die Ankündigung einer neuen Designwoche in Wien noch einem mutigen Experiment im Schatten der großen, etablierten Designmetropolen wie Mailand oder London. Angetreten mit dem Anspruch, Design aus der Nische des elitären Luxuskonsums und des rein dekorativen Objekt-Fetischismus zu befreien, riefen die Gründer*innen als Neigungsgruppe Design die VIENNA DESIGN WEEK (VDW) ins Leben. Mit der Gesamtschau aller VDW-Plakate rückt das MAK – seit der ersten regulären Ausgabe 2007 enger Partner des Festivals – die Sujets der beteiligten Gestalter*innen in den Fokus. Im Jubiläumsjahr 2026 blickt das Festival auf zwei Jahrzehnte kontinuierlicher Transformation zurück.

Die Erfolgsformel des seit 2021 von Gabriel Roland geleiteten Festivals liegt von Beginn an in der Aneignung der Stadt als lebendiges Labor. Statt auf kommerzielle Messehallen setzt die VDW auf das Prinzip des urbanen Entdeckens. Der Verzicht auf eine feste museale Verortung garantiert dem Festival eine permanente Neuerfindung. Maßgeblich für den Erfolg waren Eigenformate wie die »Passionswege«, die internationale Designstudio-Konzepte mit Wiener Handwerk verbinden, oder die „Stadtarbeit“, die Design als Werkzeug für soziale Stadtgestaltung nutzt.

Visuelle Manifeste: Das Plakat als Seismograf

Wer auf den Ankündigungsplakaten der VDW nach klassischer Produktfotografie, perfekt ausgeleuchteten Designklassikern oder einer gefälligen Möbelhauskatalog-Ästhetik sucht, wird durchwegs enttäuscht. Die inhaltliche Metamorphose spiegelt sich in bemerkenswerter Konsequenz in der visuellen Identität und den jährlichen Plakatkampagnen der VIENNA DESIGN WEEK wider.

Gestaltet von progressiven Grafikdesignstudios – darunter Ateliers wie Bia Grabner und Rudolf Zündel, Bueronardin, Fredmansky oder Studio Sirene – fungieren die Festivalkampagnen von jeher als visuelle Statements im öffentlichen Raum. Die jeweilige Plakatgestaltung bewegt sich in einem permanenten, produktiven Spannungsfeld zwischen einem rigiden, wiedererkennbaren institutionellen Rahmen und maximaler inhaltlicher Freiheit für die jeweilige Jahres-CI. Die markante Wortmarke »VIENNA DESIGN WEEK (VDW)« agiert dabei als visueller Anker, der jedoch regelmäßig dekonstruiert oder typografisch neu interpretiert wird.

Dass die Plakate der VDW die Grenze zwischen angewandter Grafik und autonomer Kunst überschreiten, belegen regelmäßige Würdigungen: Von 2011 bis 2024 prägten Christof Nardin und Pascal Magino (Bueronardin) die grafische Identität der VIENNA DESIGN WEEK. Ihre prägnante Kampagne aus dem Jahr 2020 wurde beim renommierten Wettbewerb 100 Beste Plakate. Deutschland Österreich Schweiz ausgezeichnet. Darüber hinaus schaffte es eines ihrer Plakate 2013 ins Finale des begehrten European Design Awards.

Die Plakate der vergangenen zwei Jahrzehnte werden im Rahmen historischer Retrospektiven selbst zum archivalischen Forschungsgegenstand und musealen Exponat. Sie erbringen den bleibenden Beweis, dass die visuelle Kommunikation der VIENNA DESIGN WEEK die Grenze zwischen angewandter Grafik und autonomer Plakatkunst längst überschritten hat. So wie das Festival selbst zeigen sich auch die Kampagnen von ihrer vielschichtigen Seite: Sie setzen Impulse für spannende Diskurse, laden im Vorbeigehen zum kurzen Verweilen ein und schärfen den Blick für gute Gestaltung im öffentlichen Raum.

Weitere Infos:

Eröffnung:
Dienstag, 29.9.2026, 19 Uhr
Eintritt frei zur Ausstellungseröffnung

Ausstellungsort:
MAK Plakat Forum
MAK, Stubenring 5, 1010 Wien

Ausstellungsdauer:
29.9.–1.11.2026

Öffnungszeiten:
Di 10–21 Uhr, Mi bis So 10–18 Uhr

MAK Eintritt:
€ 19/18*; ermäßigt € 15,50/14,50*; jeden Dienstag 18–21 Uhr:
Eintritt € 9,50/8,50*
Eintritt frei für Kinder und Jugendliche unter 19

* Ticketpreis im Online-Vorverkauf

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