Graphische Revue
  

Medienhäuser entdecken Bildungssektor
22.08.2012

In den USA werden dieses Jahr 500.000 digitale Schulbücher zum Einsatz kommen. Diese elektronischen Lexika werden aber nicht von üblichen Verlagen produziert, sondern vom Kabelsender "Discovery Channel" . Damit steigt das Medienhaus in die Bildungsindustrie ein, eine Branche, die in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist.


Medienhäuser entdecken Bildungssektor

Laut einer Studie der Association of American Publishers werden in den USA mit konventionellen Schulbüchern rund 2,5 Mrd. Euro umgesetzt. Weitere 3 Mrd. Euro verdienen die Verlage mit Literatur für Lehrer. Experten gehen davon aus, dass digitale Schulbücher schon bald den Markt aufmischen werden.

"Es ist perfekt für uns", sagt David Zaslav von Discovery. "Bildungsinhalte sind unsere Stärke. Anders als unsere Konkurrenten, setzten wir nicht auf ein aussterbendes Medium." Discovery ist nicht die einzige Medien-Organisation, die in digitale Schulbücher investiert. News Corp. hat vor wenigen Monaten angekündigt, dass rund 80 Mio. Euro in eine Bildungs-Abteilung investiert werden sollen. "Wir glauben, dass die Gelegenheit für digitale Medien im Bildungssektor noch nie so groß war", sagt COO Chase Carey.

Auch das Fernsehnetzwerk NBC betreibt eine Lehrmittel-Plattform, die mittlerweile in 5.000 Schulen in den USA eingesetzt wird. Die New York Times versucht mit einem kostenpflichtigen Service Studenten und Professoren anzusprechen. Und Walt Disney hat sich dazu entschlossen in China zu investieren und betreibt eine digitale Sprachschule mit jährlich 150.000 Schülern.

Portal für digitale Schulbücher
Der deutsche Verband Bildungsmedien will bald mit einer Alternative zu herkömmlichen Lehrmitteln durchstarten. Auf dem Portal "Digitale Schulbücher" sollen digitale Lerninhalte vertrieben werden. Das Projekt soll auf die Schulpraxis ausgerichtet sein und für den Unterricht auch wichtige Funktionen für digitale Schultafeln unterstützen. Als Marktstart wurde,  das Frühjahr 2013 genannt.

Leonhard Dobusch von der Freien Universität Berlin kritisiert die bisherigen Konzepte des deutschen Bildungssystems. "Lehrmittelfreiheit war immer schon mehr als der kostenlose Zugang zu Lehrunterlagen. Die Bandbreite an Mitteln und Wegen, mit denen sich eine Gesellschaft diesen Zielen annähern kann, ist dank neuer digitaler Technologien allerdings in den letzten Jahren deutlich größer geworden."

Dobusch identifiziert die USA, China und Südafrika als Vorreiter der Entwicklungen. In Deutschland sieht er Versäumnisse: "Hinzu kommt der deutsche Bildungsföderalismus, der es erschwert, Größenvorteile zu nutzen sowie zentrale Initiativen im diesem Bereich voranzutreiben."


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