Graphische Revue
  

Marke Roland feiert Geburtstag
04.06.2011

In der Offenbacher Wirtschaftsgeschichte ist sie mit großen Buchstaben verzeichnet. 2011 sind hundert Jahre vergangen, seit die erste Druckmaschine mit dem Typennamen Roland das Herstellerwerk verließ. Auf einem komplizierten Weg vom Steindruck zum Hightechoffset hat die Drucktechnik sich vom alten Herrn Senefelder entfernt.


Marke Roland feiert Geburtstag

Weit entfernt auch von der Roland des Jahres 1911. Aber ihren Namen findet man auf buchstäblich allen Kontinenten in den Druckereien, in denen Offenbacher Maschinen laufen. Hundert Jahre sind vergangen, seit die erste Druckmaschine mit dem Typennamen Roland das Herstellerunternehmen verließ. Ihren Namen sollte später das ganze Werk übernehmen.

Dieses Werk in Offenbach gab es damals bereits seit rund 40 Jahren. 1870 hatte der deutsch-französische Krieg die Techniker Louis Faber und Adolf Schleicher aus Paris vertrieben. Im Jahr darauf gründeten sie ihr Associationsgeschäft zur Fabrikation von lithographischen Schnellpressen. Sie gründeten in Frankfurt, aber sie bauten in Offenbach, und von hier aus waren sie bald im internationalen Geschäft. Die erste Exportmaschine, die 1875 in die russische Hauptstadt St. Petersburg abging, trug den Typen Namen Albatros. Als 1911 die erste Roland auf den Markt gelangte und sofort auf der Turiner Messe einer Goldmedaille würdig wurde, firmierte das Unternehmen als Faber & Schleicher AG.

Produktname wird Firmenname
1957 rückte das Erfolgsprodukt in den Firmennamen auf. Der lautete nun Roland Offsetmaschinenfabrik Faber & Schleicher AG. Faber war 1896 verstorben. 1910 starb Schleicher. Im Jahr 1979 sollten auch ihre Namen im Dunkel der Archive begraben werden. Die abermalige Namensänderung folgte der Vereinigung des Offenbacher Unternehmens mit dem Druckmaschinenbereich der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg in Augsburg, die seit Jahren einen hohen Aktienanteil gehalten hatte. Nun hieß die Firma MAN Roland Druckmaschinen AG. Dabei blieb es bis 2008. Seitdem kennen wir den Namen Manroland.

Nur noch die Fachliteratur kennt die romantischen Typennamen, die der Roland vorangingen: Albatros, Faust, Gretel, Odin oder Delfin. Das waren noch Steindruckpressen, immer noch sehr nahe der Technik, die der Erfinder Alois Senefelder um 1800 in Offenbach für den Notendrucker André entwickelt hatte. Faber und Schleicher waren nicht die einzigen, die mit neuen Techniken und immer neuen Konstruktionen ihre Maschinen ausbauten und weitertrieben, aber sie und ihre Nachfolger standen stets innovativ an der Spitze der Entwicklung. Ihre Maschinen eroberten die Welt. Viele Neuheiten, die dabei gelangen, tragen in ihrer Bezeichnung den Namensbestandteil Roland.

Eine Hommage: die Senefelder-Stiftung
Es war eine Verbeugung vor den Ursprüngen, dass das Unternehmen bei seinem hundertsten Geburtstag 1971 weniger sich selbst würdigte als den 200. Geburtstag des Steindruckerfinders Alois Senefelder. Manroland begründete eine Internationale Senefelder-Stiftung. Sie schreibt regelmäßig international einen Senefelder-Preis aus für künstlerische Leistungen auf dem Gebiet der Lithografie und für ihre Weiterentwicklung im Flachdruck.


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