Graphische Revue
  

Gesellige Prävention: SDI-Kamingespräch
zum Haftungsmanagement
18.01.2011

Den Unterschied zwischen einem Schaden an einer Drucksache und dem Schaden durch eine Drucksache lernen Unternehmer im Grafischen Gewerbe häufig erst kennen, wenn es zu spät ist. „Vorher ist man immer schlauer – wenn man seine Gelegenheiten nutzt“, hieß es deshalb in der Einladung zur Premiere der „Kamingespräche“ des SDI e.V.


Gesellige Prävention: SDI-Kamingespräch<br />
zum Haftungsmanagement<br />

Es steht außer Frage, dass die Option „Überdrucken“ bei einem weißen Text Blödsinn ist. Es gibt sie aber, selbst in gängiger DTP-Software. Um mit diesem aktivierten Optionsfeld richtigen Schaden anrichten zu können, braucht es ergänzend noch einen Digitalproof, dem diese Option egal ist und der brav einen weißen Text auf blauem Hintergrund abbildet. In der Plattenbelichtung sagt das RIP dann allerdings: „Überdrucken? Alles klar!“ und wirft die Druckplatten ohne besagten Text aus. So steht der Drucker nun mit einem korrekten Proof beim Kunden und druckt anschließend 10.000 Etiketten, auf denen ein 7 Punkt großer, weißer Hersteller-Hinweis auf einer blauen Fläche fehlt. Und wo fällt das Ganze auf? Richtig: Auf einer von 10.000 etikettierten Lebensmittelflaschen! Was nun?

Dieses konkrete Fallbeispiel aus der Praxis war eines von Vielen, die die Teilnehmer der SDI-Kamingespräche mit zum Ausrichtungsort der Premieren-Veranstaltung in Hannover gebracht hatten. Als Referent und Leiter des Workshops hatte der SDI e.V. Herrn Dr. Friedhelm Nickel aus Kassel eingeladen. Der Experte ist Fachanwalt für Versicherungsrecht und Mitautor des SDI-Leitfadens „Schadensfrei – Haftungsmanagement“. „Nicht nur in diesem Fall, sondern grundsätzlich gilt es für Druckereien zunächst einmal Lösungen zu finden, unter der die Beziehung zum Kunden nicht leidet“, erklärt Nickel. „Genauso verhält es sich in einer Produktionskette, bei der mehrere Gewerke gemeinsam ein Druckerzeugnis erstellen. Auch hier muss eine, für die häufig langjährige Geschäftsbeziehung schonende, Lösung gefunden werden.“

Einen solchen Fall beschrieb die Vertreterin eines örtlichen Faltschachtelnherstellers. „Die gedruckten Bögen waren zum Veredeln gegeben worden, von dort kamen sie mit einer fehlenden Spot-Lackierung auf einem von insgesamt 12 Schriftzügen wieder, was zunächst niemandem auffiel. Reklamiert wurde der Fehler schließlich von unserem Kunden, als der die fertigen Verpackungen geliefert bekam. Wer zahlt nun die Neu-Erstellung? Unser Veredler konnte ja an den durch uns fertig genuteten und gefalzten Schachteln nichts mehr nachbessern.“ Was die Druckexpertin nicht wusste ist, dass ihr Zulieferant sein grundsätzliches Recht auf Nachbesserung – auf das er sich berief – in dem Moment verloren hatte, in dem dies nicht mehr möglich war.

„Die Idee zu den Kamingesprächen kam uns in dem Zusammenhang, dass wir immer wieder die Erfahrung gemacht haben, qualitativ hochwertige Präventionsmaßnahmen vor Ort gemeinsam mit unseren Kunden zu entwickeln, von denen wir im Anschluss dachten, dass dies auch für eine größere Gruppe interessant ist“, erklärt SDI-Vorstand Oliver Schaeben. „Andererseits zeigt die Praxis, dass bei den üblichen Vorträgen mit bis zu 30 oder 40 Teilnehmern der Rahmen zu groß ist für die gemeinsame Ausarbeitung konkreter Fälle. Die zukünftigen Kamingespräche haben ihren Namen deshalb, weil hier jeweils maximal fünf Unternehmen eingeladen werden und der Personenkreis auf höchstens 12 Teilnehmer limitiert ist.“

Aus der Premiere sind die Besucher schlauer heraus gekommen, als sie hinein gegangen sind, so Dr. Nickel. „Bei den kleinen Snacks zum Abschluss gab es mehrere Entscheider aus den Unternehmen, die mir bestätigten, dass sie die Informationen dieser Runde schon eine ganze Zeit früher hätten gut gebrauchen können.“ „Das Ganze hat natürlich auch jenseits aller Rechtslagen einen gewissen Unterhaltungswert“, ergänzt Oliver Schaeben. „Und der besondere Nutzen für unsere Gäste steht ja schon in der Einladung: Vorher ist man immer schlauer.“

Die SDI-Kamingespräche 2011 werden sich zunächst weiter um das Thema „Haftungsmanagement“ drehen. Für Österreich hat der SDI am 2. März ein Kamingespräch in Wien geplant. Weitere Informationen im Internet unter www.sdi-online.de


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