Graphische Revue
  

Medikamente sicher verpacken
23.07.2010

Über das Internet gelangen nicht nur Plagiate begehrter Markenartikel an die Verbraucher, auch gefälschte Medikamente sind zunehmend im Umlauf. Wie erkennt ein Patient, ob eine Arznei original ist? Im Rahmen des Projekts O-PUR entwickelt Manroland mit Partnern ein Verfahren, das einfach und kostengünstig eine Echtheitsprüfung per Mobiltelefonkamera ermöglicht.


Medikamente sicher verpacken

Fühlen Sie mal. Das Papier, das Sie in den Händen halten, ist gar nicht so glatt wie es zu sein scheint. Unter dem Mikroskop betrachtet wird seine raue Oberfläche  deutlich. Holzfasern liegen wie Mikadostäbchen kreuz und quer chaotisch unter- und übereinander. Diese Mikrostruktur ist bei keinem Papier identisch. Kommt dann noch Farbe im Druckprozess hinzu, ist der individuelle „Fingerabdruck“ dieses Stück Papiers perfekt. Denn die Fasern nehmen die Farbe unterschiedlich auf. Mit dem bloßen Auge ist das nicht erkennbar, aber nie verläuft oder trocknet sie gleich. Auf dieses Prinzip baut O-PUR, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Originäre Produktsicherungs- und Rückverfolgungskonzept. Ein Projekt, dessen Ergebnisse kurz vor der Marktreife stehen. Gemeinsam mit der Hochschule Mannheim, dem Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM, EINS GmbH, epyxs GmbH, Pepperl+Fuchs und weiteren Partnern forscht Manroland seit 2008 daran, das industriell breit anwendbare Verfahren zu entwickeln. Es soll für die Hersteller einerseits kostengünstig anwendbar, für die Fälscher andererseits nur unter extrem hohen Aufwand zu imitieren sein. Außerdem muss der Produktschutz für Konsumenten einfach zu erkennen und überprüfbar sein. 

Ist auch drinnen, was drauf steht?
Wie erkennt man das Original beziehungsweise enttarnt ein gefälschtes Medikament? Bisher nutzen Hersteller die vielfältigen Veredelungsvarianten im Druck, um ihre Verpackungen über optische und haptische Reize möglichst einzigartig zu gestalten. Prägungen, Farben, Lacke, Glanz und Glitzer helfen dem Verbraucher, das Original von plumpen, weniger aufwendig betriebenen Fälschungen zu unterscheiden. Mit O-PUR kommt ein Element hinzu, das es für Produktpiraten in sich hat.  

Fingerabdruck für Verpackungen
Über einen 2-D-Code, maximal drei Millimeter groß, wird jeder Papierbogen identifizierbar, jede Verpackung zum Unikat. Dabei verursacht die Herstellung des Sicherheitsmerkmals keine Mehrkosten: Der Druck des Codes läuft einfach in einem Druckwerk mit. Die Sicherheitsmarkierungen werden über Kamera oder Scanner dokumentiert. Für die Zukunft sehen die Szenarien hier schon eine bereits in den Druckmaschinen integrierte High-Speed-Digitalkamera. Sind die „Fingerabdrücke“ erfasst, kodiert und deren Daten auf zentralen Servern gespeichert, lässt sich jede Verpackung dieser Charge über ihren Code identifizieren und ihre Herkunft zurückverfolgen. Für diesen Schritt der Dekodierung suchten die Forscher etablierte, weit verbreitete Technologien. Was lag da näher als das Mobiltelefon? Integrierte Digitalkameras sind bei den aktuellen Geräten Standard und so lässt sich die Kamerafunktion in Kombination mit einer speziellen Software bestens für die Zwecke von O-PUR verwenden: Der Kunde macht ein Foto des Codes, die Daten werden per Internet mit den registrierten Fingerabdrücken abgeglichen und der Kunde erhält die Bestätigung „Original“ oder eine Warnung „Stop“.

Nicht nur Papier besitzt eine eindeutig identifizierbare Oberflächenstruktur. Auch Metalle, Kunststoffe und hochwertige Naturprodukte wie Holz oder Leder bestehen aus Strukturen, die jedes mit dem individuellen Code versehene Produkt rückverfolgbar machen. Gute Aussichten für Hersteller und Verbraucher, schlechte für Produktpiraten.


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