Graphische Revue
  

Frank Romano’s Resümee zur drupa
01.07.2016

Die drupa ist weniger eine Messe als ein Orientierungsplan. Sie ist richtungsweisend für die Drucktechnik und die Branche an sich. Das waren die wichtigen Themen der drupa 2016:


Frank Romano’s Resümee zur drupa

• B2 (vier Seiten) und B1 (acht Seiten) Digital-Bogenoffsetmaschinen. Qualität ist beim Digitaldruck gegenüber dem Offsetdruck kein Problem mehr und digitale Druckmaschinen nähern sich punkto Geschwindigkeit dem Offsetdruck

• Neue Druckfarben, die kein gestrichenes oder behandeltes Papier oder eine Vorbeschichtung erfordern. Die Druckfarbenrevolution hat begonnen.

• Digitaldruck-Maschinen mit fünf bis sieben Farben, die für sich in Anspruch nehmen, 95 % der Pantone-Farben zu drucken.

• Digitaldruck-Maschinen für Faltschachtelkartons und Wellpappe in Hülle und Fülle. Digitaldruck für flexible Folien wurde ebenso gezeigt wie über 20 Modelle von digitalen Etikettendruckmaschinen.

• Rollen-Digitaldruck-Maschinen von Schmal bis Breit-Bahn produzierten „größere Kleinauflagen“ von Farbdrucken am laufenden Band.

• Veredelungssysteme für Papier und andere Materialien mit Laser-Stanztechnik, Metallglanzfarben, Prägedruck und Beschichtung.

• Prozessautomatisierung mit cloud-basierten Arbeitsabläufen und Systemen für Maschinenüberwachung und Service.

• Druckbare Elektronik plus 3-D-Druck in vielen Formen und Größen.

B2+ digital
Viele kommerzielle Drucker brauchen die Druckplattform im Format B2+, die ihnen im Offsetdruck gute Dienste leistet. Der Grund dafür ist simpel: Für jeden Auftrag benötigt man anderes Papier, dafür eignen sich Bogenoffsetmaschinen besser als Rollenoffsetmaschinen. Die neue Generation der Digitaldruckgeräte im Format B2+ lässt sich problemlos in vorhandene Fertigungsstraßen integrieren, deren Betrieb nur kurz unterbrochen werden muss.

Neu auf der drupa 2016 waren digitale Einzelblatt-Farbdrucker für größere Formate sowie Offline-Systeme für Spezialeffekte wie glänzend gestrichene Struktureffekte und Metallic-Folien. Die Entwicklungsfortschritte bei B2+-Drucksysteme wurden durch eine neue Generation Druckköpfen erzielt. Bei diesen Formaten und darüber hinaus liegt die Herausforderung darin, beim Betrieb in hoher Geschwindigkeit und der Materialvielfalt Qualität, Konsistenz, und Farbregistrierung unter den Hut zu bringen. Ebenfalls wichtig ist die Integration von Veredelungstechnologien, die die Vorteile des Digitaldrucks unterstützen.

Inkjet mit Drucktuch auf dem Vormarsch
Die Landa Nanographic Printing Press druckt pro Stunde 13.000 B1-Bogen. Landa meldete Verkäufe in Höhe von 450 Millionen $ durch die Messe. Die Konica AccurioJet KM-1 wechselte von wasserbasierten Tinten zu UV-Druckfarbe, die es ermöglicht, auf jedes Substrat zu drucken. Die Besonderheit der Druckfarbe liegt darin, dass es eine matte Version ist, die den Glanz klassischer UV-Druckfarben eliminiert. Komori war Partner und verkauft ebenfalls eine Version dieses Systems. Die gemeinsam mit Fujifilm entwickelte Heidelberg Primefire 106 für personalisierte Verpackungen und andere kommerzielle und industrielle Anwendungen (750 x 1060 mm) kann pro Stunde bis zu 2.500 Bogen in sieben Farben bedrucken.

Fujifilm gab bekannt, dass mittlerweile weltweit mehr als 80 Geräte seines B2-Modells im Einsatz sind. Der Prototyp Canon Voyager ist eine B1-Maschine, die wasserbasierte Tinten im Inkjet erst auf ein Drucktuch und dann auf das Substrat überträgt. RMGT (Ryobi Mitsubishi Graphic Technology) zeigte eine digitale Bogenoffsetmaschine. Die Vier-Farben-B2-Maschine basiert auf der Struktur einer Ryobi 750 Offsetmaschine und nutzt die Technologie von Miyakoshi für Flüssigtoner mit hoher Viskosität.

Inkjet 3.0…
InfoTrends nennt diesen Trend Inkjet 3.0. Nach vielen Entwicklungen im Tintenstrahl-Produktionsdruck auf der drupa 2008 und 2012 gab es auf dieser drupa viele neue und verbesserte und breitere Druckköpfe, höhere Druckqualitäten und Leistungen bei einer Reihe von Substraten. Besonders wichtig waren neue Rezepturen für Druckfarben, die ohne spezielle Beschichtungen, Behandlungen oder Vorbeschichtungen auf viele Substrate gedruckt werden können und dem Digitaldruck neue Anwendungen erschlossen.

Viele Anbieter digitaler Druckmaschinen berichteten, dass ihre 5 bis 7-Farben-Druckmaschinen 95 % der Pantone-Farben darstellen können. HP Indigo hatte lange den Vorteil im Umgang mit Sonderfarben, doch Xerox, Kodak NexPress, Canon, Ricoh, Konica und andere haben jetzt ähnliche Ansätze angekündigt.

– auf Folie und Wellpappe
Landa, Kodak, Xerox und andere stellten das digitale Drucken auf flexible Folien vor. Die Gallus Labelfire 340, eine Acht-Farben-UV-Inkjet-Etikettendruckmaschine, war mit Inline-Stanze und anderen Veredelungsoptionen erhältlich. Die EFI Nozomi ist eine Single-Pass-LED-Tintenstrahldruck-Bogendruckmaschine für Wellpappe mit Geschwindigkeiten bis zu 75 Laufmetern (246 Fuß) pro Minute und HP kündigte etwas Ähnliches ohne Spezifizierungen an, das möglicherweise 2018 ausgeliefert wird. Auch Durst arbeitet an einer entsprechenden Lösung, die in Kürze in den Betatest gehen soll.

Spektakuläre 3-D-Objekte
Die Laserstanz- und rillung, insbesondere für Faltschachteldruck, sind ebenfalls im Vormarsch, und auch hier liegt der Fokus auf dem Format B1. Dadurch sind sie in der Lage, sowohl herkömmliche Druckmaschinen als auch Digitaldrucker zu unterstützen. Digitales Schneiden und Falzen sind die Funktionen die Highcon mit seinen Systemen übernimmt. Die Produktlinie besteht nun aus drei Maschinen – Beam, Euclid III und Pulse –, die Spezialeffekte für Etiketten, Verpackungen, gewerbliche Produkte und Displayprodukte, Grußkarten, Wellpappe und Displays erzeugen. Ein Prototyp, das Highcon Shape, schneidet Pappe in Form von spektakulären 3-D-Objekten.

Die Systeme von Highcon rillen und schneiden ohne herkömmliche Stanzwerkzeuge. In einen Druckbogen können mittels Laser komplizierte Muster geschnitten werden, das Gleiche gilt für Kleinstserien von Faltschachteln und andere Produkte. Dadurch ist es möglich, hochwertige versionierte und personalisierte Verpackungen zu erzeugen, die mit analogen Veredelungsmethoden aus Kostengründen nie und nimmer produziert werden können.

Die Veredelung nimmt jetzt im Digitaldruck zu. Elektrofotografische Geräte verwenden metallische, fluoreszierende Farben, Lacke und Farben mit Sicherheitsfeatures sorgen für ein differenziertes Produktangebot und bieten einen Mehrwert. Der Inkjetdruck, vor allem mit UV-härtenden Farben, erweitert diese Möglichkeiten mit atemberaubenden Ergebnissen, mit denen sich partiell Strukturen und Reliefs aufbauen lassen.

Industrie 4.0 wird Arbeit zurückbringen
Systemlieferanten haben darüber gesprochen, wie Produktionsdaten genutzt werden können, um die betriebliche Effizienz zu erhöhen und Serviceeinsätze vorherzusagen. Mit der cloud-gestützten Überwachung der Produktionsdaten wird jetzt die datengesteuerte Produktion zur Realität. Die meisten Systeme basieren auf einer Einzelanbieter-Plattform mit Leistungsvergleich von Mitbewerbern mit ähnlicher Ausrüstung. Automatisierte Arbeitsabläufe erleichtern dem Produktionsmanagement Bewertung und Reaktion auf der Basis von Echtzeitdaten. Halb autonome Druckproduktion und robotergestützte Automation werden ein Fundament für eine neue industrielle Revolution legen, gestützt auf Automation und Datenaustausch in Fertigungstechnologien. Das wird den Arbeitsaufwand verringern und Arbeit zurückbringen, die an andere Teile der Welt verloren ging.

Es gab weniger, aber dafür wichtige Themen. Integrierte Veredelung, verbesserte Farbverwaltung, stärker automatisierte Arbeitsabläufe und neue entwicklungsfreie Druckplatten stachen heraus. Wenn auch etwas kleiner als in den vergangenen Jahren, war die Messe doch überwältigend. Insgesamt kamen 260.000 Besucher und damit weniger als die 318.000 auf der drupa 2012, wobei dieser Rückgang vor allem der Verkürzung der Messe von 14 auf 11 Tage geschuldet ist.


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